Sie sind häufiger als man denkt: Diese Monate, an die sich in ein paar Jahren kaum noch jemand erinnert, weil die Statistik keine Auffälligkeiten zeigt. Temperatur im langjährigen Mittel (über den Gesamtmonat gerechnet) und Niederschlag im langjährigen Mittel (über grössere Flächen gerechnet). Bei näherer Betrachtung teilt sich der Monat in eine sehr milde und eine aussergewöhnlich kalte Hälfte auf und der Regen ist so ungleichmässig verteilt, dass manche Regionen fast nichts und andere das Doppelte der üblichen Mengen erhalten haben. Der November 2025 fällt somit in die vielen statistisch gemittelt „langweiligen“ Monate, die aber durchaus einige Dramatik aufzuweisen haben (La Brévine im Neuenburger Jura auf 1041 m: TMax 18.3 °C am 14.11., TMin -26.3 °C nur neun Tage später, macht 44.6 Grad Differenz).

Ob die paar sonnigen Tage ausgereicht haben, um die Kakis vor dem Wintereinbruch reifen zu lassen? (bei Twann am Bielersee am föhnigen 13.11.2025)
Die fotometeo.ch/orniwetter.info-Monatsprognose, erstellt am 1. November, lautete wie folgt:
Der herausgepickte Lauf zeigt eine Südwest-Nordost ausgerichtete, mässig ausgeprägte Tiefdruckanomalie über dem Nordatlantik; sie erstreckt sich von Neufundland über Island bis zum Nordkap. Sowohl nordwestlich (über Grönland) wie auch südöstlich über fast ganz Europa mit Schwerpunkt Italien-Balkan ist eine mässige Hochdruckanomalie zu finden. Südwest ist bei dieser Konstallation der häufigste Grosswettertyp, begleitet von seinen Nachbarn Süd und West, und nach Abtropfvorgängen ist am ehesten kurz mit einer Hochdruckbrücke über Mitteleuropa zu rechnen. Die nicht allzu stark ausgeprägten Druckanomalien sind auf den Umstand zurückzuführen, dass im letzten Monatsdrittel West- bis Nordwestlagen allmählich an Gewicht zulegen. Ob es für das obligate Wintermezzo noch vor oder erst nach dem Monatswechsel reicht, dürfte die spannendste Frage sein diesmal. Das europäische Modell lässt es bisher aber gleich ganz weg. Grund dafür ist, dass anders als in den letzten Jahren über Skandinavien kein früher Kaltluftpool entstehen kann. Jener aus Grönland müsste den weiten Weg zu uns über den Atlantik nehmen, was zumindest die tieferen Luftschichten mildert. Dass sibirische Luftmassen den Weg zu uns finden, kann bei dieser Zirkulationsform nahezu gänzlich ausgeschlossen werden.
Wie schon im Vormonat halte ich die von CFS modellierte Kälte in Grönland ohnehin für deutlich übertrieben, EZ ist da ungefähr in der Norm. Die Wärmeanomalie ist über Nordosteuropa am ausgeprägtesten, in diesem Punkt gibt es modellübergreifende Einigkeit. Mitteleuropa wird je nach Region wohl zwischen +2 und +4 Grad zur Normperiode 1991-2020 landen. Das Zünglein an der Waage spielt hierbei, ob antizyklonale oder zyklonale Lagen überwiegen und somit, ob sich die milden atlantischen bis subtropischen Luftmassen auch am Boden durchsetzen können oder ob Inversionslagen überwiegen. Ohne Schneedecke irgendwo in Europa wird so oder so keine Kaltluftproduktion vor Ort stattfinden, was auch bei Hochdruck deutliche Nachtfröste ausschliesst, daher die hohen Abweichungen.
Niederschläge über der Norm erstrecken sich entlang der Tiefdruckrinne von Irland bis zur norwegischen Küste. Abtropfende Tiefs sorgen für die obligaten blauen Flecken im westlichen Mittelmeer bzw. in den Staulagen der benachbarten Gebirge, bei oft südwestlicher bis südöstlicher Anströmung also Pyrenäen sowie West- und Südalpen. Dass diese Niederschläge sehr gerne mal überborden und vom Modell unterschätzt werden, soll hiermit noch mal erwähnt werden. Das sich von der Nordsee bis nach Polen hinein erstreckende Niederschlagsplus wäre ein Produkt der oben erwähnten Nordwestlagen gegen Monatsende, also eher etwas unsicher. Ansonsten sieht es in Mitteleuropa verbreitet nach einem eher trockenen November aus, vor allem wenn man berücksichtigt, dass bereits in den ersten zwei Tagen etwa ein Drittel bis die Hälfte der modellierten Menge in den Messtöpfen landet.
Vergleich der Prognose (oben) mit der Analyse (unten) der Abweichungen des Bodendrucks gegenüber dem langjährigen Mittel:

Das Grönlandhoch hat sich in Richtung Island verlagert und als Folge davon die atlantischen Tiefs auf eine südlichere Zugbahn gedrückt. In der zweiten Monatshälfte hat sich über der Barentssee ein Tief gebildet, das so in den Langfristmodellen nicht vorgesehen war, und dadurch eine direkte Zufuhr von Kaltluft vom Nordpol direkt nach Mitteleuropa ermöglicht. Der Hochdrucküberschuss aus der ersten Monatshälfte über den südöstlichen zwei Dritteln des Kontinents wurde in der zweiten Hälfte sogar mehr als ausgeglichen. Insgesamt eine katastrophale Leistung des Modells, das in den letzten 20 Läufen einen einzigen (28.10. 12z) mit halbwegs zutreffender Druckverteilung präsentierte.
Abweichung der Luftmassen-Monatsmitteltemperatur in rund 1500 m Höhe zur Vergleichsperiode 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Noch katastrophaler wirkt sich die Fehlprognose auf die Verteilung der Luftmassentemperatur aus. Zum Glück schreibt unsereiner gleich zu Beginn des Prognosetextes solch verrückte Dinge wie: „Nur zwei der letzten zwölf CFS-Läufe tanzen bei der Zirkulationsform zwischen Atlantik und Europa aus der Reihe und der Rest ist auch weitgehend mit dem europäischen Modell einig, da gibt es wenig Potenzial für Überraschungen. Wobei diese selbst in solchen Fällen nicht völlig ausgeschlossen sind, alles schon dagewesen“. Die zweite Novemberhälfte war in Mitteleuropa die kälteste seit 1993, nur dank der sehr milden ersten Hälfte wurde vielerorts ein hauchdünnes Plus von wenigen Zehnteln gegenüber der Norm 1991-2020 gehalten. Es gibt aber auch eine Reihe von Stationen, die sogar unter die Norm 1961-90 tauchten, so etwa Konstanz (-0.1 Grad), und am deutlichsten Simbach am Inn (-0.5 Grad), wobei hier nicht ganz klar ist, ob die vom DWD errechnete Klimanorm stimmt, weil die Messreihe erst 1981 beginnt.
Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Über die Prognosegüte muss man keine weiteren Worte verlieren, nur punktuell lag die modellierte Niederschlagsabweichung richtig (Skandinavien, westliches Mittelmeer). In Mitteleuropa war die Verteilung erneut sehr inhomogen – recht trockene und sehr nasse Regionen liegen oft nah beieinander, wie die detaillierten Karten der Landeswetterdienste zeigen: Schweiz, Österreich, Deutschland.
In Sachen Südwestlagen hat der November aufgeholt, was der Oktober verpasst hat. Auffällig ist das vollständige Fehlen von West- und Nordwestlagen, aber auch Ost und Süd blieben aussen vor – insgesamt jedenfalls eine kuriose Verteilung, die auf eine massiv gestörte nordhemisphärische Zirkulation zurückzuführen ist. Nicht aussergewöhnlich im Herbst, der krasse Wechsel von Südwest auf Nord und wieder zurück unterstreicht aber den Hang zur Dramatik in diesem Monat. Sie zeigt sich ebenfalls in der Verteilung von neun deutlich zu warmen Tagen gegenüber fünf deutlich zu kalten, und trotz dieser heftigen Temperaturwechsel und regional deutlichem Niederschlagsüberschuss waren nur zwölf Tage nass.
Die Prognose für den Dezember findet man auf unserer Partnerseite orniwetter.info, sie wird zu Beginn des nächsten Monats in diesem Blog verifiziert.
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