Wenn ein September relativ zum Juli noch kapriziöser auftritt, dann ist das kein Aufreger. Ist ja nicht mehr Ferienzeit – ausser die letzte Septemberwoche in der Schweiz (ja genau…!) Überborden zudem drei bis vier Tage nach oben und dies auch nur im Gebirge, sodass ein völlig durchschnittlich temperierter Monat dabei rauskommt, ist die Welt auch in Ordnung. Mit regionaler Rekordnässe oder Rekordtrübnis lässt sich heutzutage schlecht Schlagzeile machen (ausser eben es wäre Ferienzeit). „Was faselt die da?“, wird sich die Leserschaft in der Nordhälfte Deutschlands nun fragen. Tja, dort hatte man mit 30-50 % Sonnenüberschuss bei gleichzeitig mancherorts nur 25-50 % der üblichen Niederschlagsmenge ganz andere Sorgen. Kurzum: Ein September der Extreme sowohl auf räumlicher wie zeitlicher Ebene liegt hinter uns.

Die letzten Sommertage galt es mit Verstand zu geniessen, denn kurz danach wurde es zappenduster (Beatenberg am Thunersee, 18.09.2025)
Die fotometeo.ch/orniwetter.info-Monatsprognose, erstellt am 1. September, lautete wie folgt:
Der Optimismus bezüglich einer Sommerverlängerung ist durchaus bemerkenswert, waren doch die Langfristmodelle noch bis vor wenigen Tagen auf eher nass-kühl gebürstet. (Hoffentlich) anders als im Juli kam die 180°-Wende diesmal vor dem Monatswechsel, um noch in der Monatsprognose berücksichtigt zu werden. Der neueste CFS-Lauf will es sogar rekordwarm – so mutig, um auf diesen Zug aufzuspringen, bin ich dann aber doch nicht, deshalb wurde ein etwas gemässigterer Lauf ausgewählt, der von den aktuellen Mittelfristmodellen gestützt wird. Dass es in der zweiten Monatshälfte wieder kippen kann (und sei es erst in den letzten Tagen), weiss die treue Leserschaft natürlich längst, der Hinweis darauf sei aber für Neulinge wieder mal erlaubt.
Die über den Gesamtmonat gemittelte Anomalie im Höhendruckfeld zeigt eine klassische Blockadesituation mit starker, aber nicht extremer positiver Druckanomalie über ganz Nord- und Mitteleuropa und negativer Anomalie zwischen Südgrönland und Irland. Der Atlantik ist also durchaus aktiv, kann sich aber nur selten auf dem Kontinent durchsetzen. Typisch dafür ist die winkelförmige Westlage gleich zum Monatsbeginn, die durchaus noch später im Monat auftreten kann. Zyklonale Westlagen können sich jeweils nur kurz manifestieren. Über weite Strecken werden aber Lagen des Grosswettertyps Hoch und Südwest über Süd bis Ost diesen Monat prägen.
Die unten gezeigte Karte mit den Temperaturabweichungen hat den Wärmepol für meinen Geschmack etwas zu westlich drin, CFS liefert jedoch im Gegensatz zum europäischen Modell keinen Lauf mit den höchsten Abweichungen von Skandinavien bis Osteuropa. Gut möglich also, dass Frankreich ungefähr im Mittel landet, das westliche Mitteleuropa etwa 1 Grad darüber, weiter östlich kann es eskalieren, muss aber nicht. Bekanntlich ist der September aufgrund von unberechenbaren Einflüssen von Ex-Tropenstürmen nicht gerade der einfachste Monat.
Weite Teile Mittel-, Nord- und Osteuropas werden einen weiteren zu trockenen Monat sehen, tendenziell zu nass wird es im Westen. Am anfälligsten für Starkniederschlagsereignisse ist der Bereich zwischen den Pyrenäen und den Südalpen. Hier reicht ein einziges abtropfendes Tief (Trog Westeuropa oder Südost zyklonal), um die Sache aufgrund des viel zu warmen Mittelmeers eskalieren zu lassen – der August hat ja schon mal gezeigt wie das funktioniert.
Vergleich der Prognose (oben) mit der Analyse (unten) der Abweichungen Höhendruckfelds gegenüber dem langjährigen Mittel:

So hätten wir das bitte gerne in jedem Monat, dass zumindest die grossräumige Zirkulation mit den grossen Druckzentren einigermassen korrekt vorhergesagt wird – auch wenn hier der Hochdruckeinfluss auf Mitteleuropa etwas zu optimistisch gerechnet wurde. Schlussendlich war alles wie vermutet etwas nach Süodsten verschoben – es braucht eben immer noch das „Bauchgefühl“, sprich Erfahrung der Meteorologin, wenn das Modell keinen wunschgemässen Lauf liefert. Die Blockadesituation wurde aber gut erfasst und die im Text hervorgehobene winkelförmige Westlage (mit acht Tagen die häufigste) ist sogar im Monatsschnitt zu erkennen, sowas gibt es selten.
Die Abweichung der Monatsmitteltemperatur in rund 1500 m zur Klimanormperiode 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Hier sehen wir, weshalb es bei den Monatsprognosen wichtig ist, nicht nur die Karten anzugucken, sondern auch den Text dazu genau zu lesen. Wenn nämlich das Modell die Vorstellungen der Meteorologin in keinem Lauf exakt darstellt, dann wird das im Prognosetext zurechtgerückt – et voilà! Gehen wir bei den „ungefähr +1 Grad in Mitteleuropa“ noch etwas ins Detail: +1.8 Grad wärmer als das Klimamittel war der September 2025 auf den Bergen und +1.4 in den Niederungen Österreichs, +0.7 Grad auf den Bergen der Schweiz und +0.5 in den Niederungen der Deutschschweiz, während der DWD aufgerundete +0.8 Grad für das Deutschlandmittel meldet. Eine nahezu perfekte Punktlandung gab es in den Niederungen der Süd- und Westschweiz, womit wir beim prognostizierten Nuller in Frankreich wären, der nämlich auch dort im Landesschnitt realisiert wurde mit einem Gefälle von Südost nach Nordwest. Dieser Punkt geht also im Gigantenduell zwischen ECMWF und CFS an die Europäer und an die Meteorologin, die das ebenso sah 😉
Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Die Grobverteilung der Prognose war so schlecht nicht und wenn man ins Detail geht, findet man Licht und Schatten relativ nah beieinander. Nicht prognostiziert wurde das viel zu nasse Mittel-Osteuropa und das Ausgreifen der überdurchschnittlichen Niederschläge auf fast ganz Skandinavien – wobei das auch hier Folgen der vom Modell nicht wunschgemässen östlicheren Position des Hochs sind. Perfekt hingegen wurde das nasse Ostfrankreich getroffen, und im benachbarten Saarland wurde gar der nasseste September seit Beginn der modernen Messungen verzeichnet, in Rheinland-Pfalz melden mehrere Stationen bis zu 360 % der Normniederschläge. In Basel landet dieser September auf Rang 10 seit 1864. Die regional sehr starken Unterschiede zeigt obige Analysekarte wie üblich nicht, ein Blick in die Detailkarten der Landeswetterdienste lohnt sich: Schweiz, Österreich, Deutschland, Frankreich (ich hoffe, die neuen Quellen für Deutschland und Frankreich versiegen nicht gleich wieder und bei der umbenamsten ZAMG scheint man sich auch noch nicht einig zu sein, wo man die Mediendateien nun abzuspeichern gedenkt).
In diesem Monat gab es nur zwei Zirkulationsformen, die sich fast die Waage hielten: zonal und meridional. Die in den letzten 25 Jahren stark aufgetretenen Südwestlagen wurden auch diesmal zwischen Trog Westeuropa (GWT Süd) und winkelförmiger Westlage aufgerieben. War eben ein Sommerhalbjahr mit Ecken und Kanten – man darf gespannt sein, wie es weitergeht. 21 nasse Tage und neun trockene: Das gibt den Charakter hier am Alpennordrand gut wider. Etliche Tage im letzten Monatsdrittel verfehlten das Kriterium für „zu kühl“ über die gesamte Auswertungsregion nur haarscharf, lokal waren es in der Schweiz bis zu sechs.
Die Prognose für den Oktober findet man auf unserer Partnerseite orniwetter.info, sie wird zu Beginn des nächsten Monats in diesem Blog verifiziert.
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Microwave am 10. Oktober 2025 um 00:38 Uhr
Hoi Fabienne, danke für die Analyse.
Hier hast du ja vorallem das Problem gehabt, dass keine Karte das gezeigt hat was du wolltest. Drum hattest du es mündlich korrigiert wie „hat den Wärmepol für meinen Geschmack etwas zu westlich drin“, was ja dann perfekt gepasst hat.
Wäre vielleicht ein nächster Schritt von dem Vorhersage-Experiment dass du manuell in die am Schluss gewählte Karte noch grafisch einskizzierst wo du eine bestimmte Struktur gerne sehen würdest?
Also in diesem Beispiel hättest du jetzt z.B. den Wärmepol weiter östlich in die fertig gerechnete Karte einskizziert…
Ich weiss natürlich nicht, in wieviel Zusatzarbeit das ausartet, du willst ja auch nicht die ganze Karte neu malen 🙂
Grüsse, Microwave