Alle Jahre wieder… und mir kommt es vor, als gehe das immer schneller – hatte ich doch gefühlt gerade erst den letzten Jahresrückblick verfasst. Es soll dies ein untrügliches Zeichen fortschreitenden Alters sein, haben mir früher betagtere Mitmenschen beteuert, was ich damals natürlich kaum glauben konnte. Inzwischen spüre ich von Jahr zu Jahr mehr, wie der Zahn der Zeit an mir nagt. Leider hat dies auch Auswirkungen auf meine Arbeit, hinzu kommen die rasanten Veränderungen in der digitalen Welt und das damit verbundene Nutzerverhalten. Aber wie heisst es so schön: Totgesagte leben länger. Irgendwie.
Die schönen Momente dankbar festzuhalten, ist inzwischen zu einer Überlebensstrategie geworden. Genau das hilft, die Hoffnung nicht zu verlieren. Auch wenn ich häufig auf die Zähne beissen musste: Der Aufwand hat sich gelohnt. Das mühsame und immer schwerer zu verstehende Drumherum in dieser verrückten Welt muss man kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen und sich dann wieder auf die eigenen Projekte konzentrieren. Schwierig wird es dort, wo politische bzw. ideologisch getriebene Entscheide massiv in meine Arbeit eingreifen wie die Einstellung von langjährigen Messreihen aus Spargründen oder gar die Zerschlagung von Forschung im Bereich Klima und Wetter. Ausgedünnte Datenlage verschlechtert die Wettermodelle trotz immer besserer Rechenleistung. Die Rückbesinnung auf Dinge, die man mit der damaligen Verfügbarkeit einfachster Mittel gelernt hat, tut Not – sofern man dazu nach Jahrzehnten der Technikgläubigkeit noch in der Lage ist. Eine nicht ganz einfache, aber interessante Herausforderung.
Diese Entwicklung hat mich dazu veranlasst, das Firmenmotto zu ändern: Statt „Das Wetter ins richtige Licht gerückt“, heisst es jetzt: „100 % natürliche Intelligenz“. Wer sich auf meinen Seiten informiert und meine Dienste in Anspruch nimmt, kann sich zu 100 % darauf verlassen, dass es sich um meteorologisches Handwerk handelt, das auf inzwischen 40 Jahre gesammelter Erfahrung beruht. Dasselbe gilt für die gezeigten Bilder. Kein Kunsthandwerker käme auf die Idee, seine Kreativität einem 3D-Drucker zu überlassen. Das gilt auch für die Erforschung und Darstellung meiner Projekte. Vielleicht sind sie zeitraubender und nicht immer perfekt, aber das Ergebnis eigener Denk- und Fleissarbeit veröffentlichen und betrachten zu können wäre nicht halb so erfüllend, als wenn die Arbeit eine tumbe Maschine erledigt hätte.
Mit den gesundheitlichen Einschränkungen ist für mich die Zeit der oft tagelangen Intensivbetreuung von Anlässen nahezu rund um die Uhr nicht mehr möglich. Ob die Reduktion dieser bisher wichtigsten Einnahmequelle durch Projektarbeiten, Gutachten und Schulung kompensiert werden kann, wird sich weisen müssen. Umso wichtiger werden jetzt die Einnahmen durch die Blogs und Projekte, die durch freiwillige Beiträge finanziert werden:
Die Leserzahlen bei den Blogs sind weiterhin rückläufig und insbesondere bei den Monatsanalysen habe ich mich schon öfters gefragt, ob der Aufwand noch gerechtfertigt ist. Wenn man dann auch noch die Reaktionen auf den SocialMedia-Kanälen betrachtet (Beispiel: Die WMO informiert auf Facebook nüchtern und sachlich darüber, um wieviel global der Meeresspiegel im letzten Jahr weiter angestiegen ist – 2035 (!) von 2274 reagierenden Usern finden dies mit einen Haha-Smiley lustig), dann bekommt man zunehmend das Gefühl, Information und Aufklärung stünden auf verlorenem Posten. Angesichts dieser grassierenden Ignoranz denke ich nicht selten: „Leckt mich doch!“, aber dann kommt wieder die Wertschätzung der treuen Kundschaft, klingeln überraschend hohe Spendeneingänge aufs Konto oder trudelt ein Angebot eines programmtechnisch versierteren Lesers ein, mich bei der Lösung eines Problems zu unterstützen. Dann weiss ich wieder: So lange es diese interessierte und solidarische Gemeinschaft noch gibt, kann ich nicht aufgeben. Daher geht mein ganz spezieller Dank auch in diesem Jahr wieder an alle, die mit grösseren oder kleineren Beiträgen zu meinem Überleben beitragen, mir mit Rat und Tat zur Seite stehen oder in ihrem Bekanntenkreis Werbung für meine Dienste machen. Auch der Austausch in Foren oder privat ist wertvoll, um nicht zu sehr einen eigenen Tunnelblick zu entwickeln.
Der Schwerpunkt im neuen Jahr wird vorerst bei der Vervollständigung der neuen Daten in den Grosswetterlagen-Porträts liegen. Die mühsamste Arbeit mit der eigenen, konsistenten Klassifizierung bis 1976 zurück ist abgeschlossen und im Wetterlagenkalender-Archiv einsehbar. Nach und nach werden nun die neuen Grafiken in den Porträts aufgeschaltet und die Texte angepasst, irgendwann kommen dann auch noch aktualisierte Zusammenfassungen hinzu. So können auch wieder jahreszeitliche Trends auf soliden Daten der letzten 50 Jahre veröffentlicht und tagesgenaue Statistiken zu verschiedenen Konstellationen erstellt werden.
Auf ein wichtiges Anliegen meiner Leserschaft soll ebenfalls demnächst eingegangen werden: Die Leserlichkeit und Bedienbarkeit der Seiten insbesondere auf kleineren Geräten (ich war bisher der Meinung: selber Schuld, wer sich lange Texte mit detaillierten Grafiken im Postkartenformat antut, aber offenbar will das die Mehrheit so…) soll verbessert werden, was eine mehr oder weniger sanfte Renovation des Erscheinungsbildes erfordert. Und dann noch ein kleiner Spoiler:

Was ihr hier seht, ist eine Testversion des neuen Wetterstationen-Atlas, unabhängig von Google. Alle Kontinente auf einer Karte zusammengefasst, wählbarer Kartenlayer und vor allem: Keine mühsamen Ebenen mehr, stattdessen eine kombinierbare Filter- und Suchfunktion, die kaum Wünsche übrig lässt. Wann es soweit ist, dass der neue Atlas online gehen kann, bleibt vorerst noch offen. Dazu müssen noch verschiedene Dinge abgeklärt werden, nicht zuletzt wo das gespeichert und wie schlussendlich in meine Seite eingebunden wird, und eine konsequente Texthygiene in den Stationsporträts wird nötig sein, damit die Suchfunktion auch sinnvolle Ergebnisse liefert. Ihr seht: Die vielen Baustellen übersteigen meine zeitliche Kapazität, aber dank kompetenter Hilfe wird in absehbarer Zeit einiges verbessert werden – danke für eure Geduld!
Die wichtigsten Leistungen, die mit euren Spenden am Laufen gehalten werden, seien hier noch mal aufgelistet:
Täglicher Wetterbericht mit exklusiver Grosswetterlagen-Klassifikation auf der Startseite
Zwei Mal pro Woche aktualisierter Wetterlagenkalender neu mit Archiv bis 1976 (Ausbau bis 1971 geplant)
Jeweils zum 1. des Monats veröffentlichte Monatsprognose
Monatliche europaweite Analyse und Prognose-Verifikation
Fallweise Sturm- und Gewittervorschau und Einzelfall-Analysen im Wetterblog (Wiedereinführung, sobald es das Zeitbudget wieder erlaubt)
Grosswetterlagen-Forschung mit eigener Datenbank und GWL-Porträts (werden in den nächsten Wochen mit neuesten und korrigierten Daten aktualisiert)
Wetterstationsatlas mit allen verfügbaren Daten zu jeder Wetterstation (Bilder, aktuelle Messwerte, Klimadiagramme, Klimanormwerte, Windrosen etc.)
Allen von Herzen ein gutes und gesundes Neues Jahr!
kurt nadler am 1. Januar 2026 um 13:20 Uhr
Wünsch Dir ein gesundes, erfüllendes Jahr 2026 und freu mich auf weitere Teilhabe an Deinem Wissen, Deiner Erfahrung und Deiner Intuition!!
Mathias Kielholz am 4. Januar 2026 um 08:34 Uhr
Hoi Fabienne
Danke für deinen Idealismus, deinen riesigen Erfahrungsschatz und deine durch alle Zeilen drückende Liebe zur Natur! Stimmen wie deine dürfen nicht verstummen…
Gruss von Mathias aus Mergoscia und Uster