Auf den regional zweitheissesten Juni folgt der heisseste Juli, lokal (Locarno-Monti, Bern, Neuenburg, Basel) sogar der heisseste Monat in den homogenen Messreihen seit 1864. In Bern und Neuenburg wurde dieser Rekord regelrecht pulverisiert mit 0.7 bzw. 0.8 Grad über den bisher heissesten Monaten (Juli 2006 bzw. Juli 2015). Erstaunlich dabei ist, unter welchen überwiegenden Grosswettertypen dies zustande kam, wie wir gleich sehen werden. Nur wegen des dadurch deutlichen Gefälles nach Nordosten bleibt in Deutschland wahrscheinlich 2003 der heisseste Gesamtsommer, bei uns in der Schweiz hängt es stark von der Entwicklung des letzten Augustdrittels ab.

Wie lange es wohl noch dauert, bis die typischen Linden und Ahorne auf den Eggen durch Zypressen ersetzt werden müssen? „Colli Senesi“ des Emmentals, 2. August 2026
Die fotometeo.ch/orniwetter.info-Monatsprognose, erstellt am 1. Juli, lautete wie folgt:
Auch am letzten Junitag produziert CFS völlig gegensätzliche Szenarien von grosser Hitze bis durchzogener Kühle, wobei für Letzteres der Meteorologin die notwendige Fantasie fehlt, wie es zustande kommen sollte. Kurze „Kalt“lufteinbrüche ja – die Ausgangslage sieht ja immer noch ähnlich aus wie 2015. Allerdings hat die zweiwöchige Hitzewelle die Meere an den Küsten Westeuropas so stark erwärmt, dass wir nun eine gemässigte Pufferzone zur Kaltwasseranomalie im Nordatlantik haben. Mit der Erfahrung, dass Langfristmodelle Extremereignisse nicht erkennen, wurde diesmal der für Mitteleuropa wärmste Lauf gewählt. Das Risiko, dass dies gewaltig in die Hose gehen kann, ist mir bewusst – allerdings in beide Richtungen. Dass auf eine heisse Juniphase oft eine kühlere im Juli folgt, ist statistisch belegt. Allerdings befinden wir uns derzeit in einer noch nie dagewesenen Ausgangslage, dann haben Statistiken nur geringe Aussagekraft.
Der ausgewählte Lauf zeigt eine brückenartige Hochdruckanomalie von Neufundland über den Nordatlantik und Mitteleuropa hinweg bis nach Osteuropa. Er weist von Irland bis Portugal eine Schwachstelle auf, die typisch ist für die Entwicklung der letzten Jahre mit gehäufterem Auftreten von Trog Westeuropa. Ansonsten sind nach der antizyklonalen (möglicherweise kurz sogar zyklonalen) Nordwestlage des Monatsbeginns antizyklonale Westlagen und Hochdruckbrücke Mitteleuropa am wahrscheinlichsten. Hoch Mitteleuropa ist ebenfalls möglich, deren Trend ist im Juli aber zuletzt stark sinkend, ebenso wie die immer noch häufigste GWL West zyklonal. Diese beiden Lagen dürften allenfalls kurze Übergangsphasen darstellen. Nicht vorgesehen sind in diesem Lauf die in den letzten Jahren stark zunehmenden GWL Tief Britische Inseln und Tief Mitteleuropa – allerdings sind genau diese in den oben angesprochenen kühlen Läufen des Modells enthalten.
Unter der Hochdruckbrücke werden die stärksten Temperaturanomalien in die heisse Richtung erwartet mit ungefähr +3 Grad zur Vergleichsperiode 1991-2020 über Frankreich und dem südlichen Mitteleuropa. Es besteht ein starkes Gefälle nach Norden hin, an Nord- und Ostseeküste steht noch eine Abweichung von +1 Grad, über weiten Teilen Skandinaviens und dem Nordmeer ist die Abweichung negativ. Ebenso im östlichen Mittelmeer aufgrund östlich des Mitteleuropahochs abtropfenden Tiefs, die untypisch für den Hochsommer den ganzen Mittelmeerraum unsicher machen können. Dieser wird zusätzlich von möglichen Westeuropa-Trögen abtropfenden Tiefs regelrecht in die Zange genommen, die in der Karte gezeigte Abweichung von mehr als -3 Grad bei den Kanaren scheint mir aber doch sehr übertrieben.
Durch die weit nördlich verlaufende Frontalzone wird nur ein Streifen von Schottland bis Nordskandinavien überdurchschnittlich nass, das nördliche Mitteleuropa wird wohl deutlich zu trocken. Das südliche Mitteleuropa und der Alpenraum hat nasse Flecken drin, das werden Gewitter sein, die aber erfahrungsgemäss den Niederschlag sehr ungerecht verteilen. Regionale Fortsetzung der Trockenheit und lokale Überschwemmungen durch Unwetter in unmittelbarer Nachbarschaft schliessen sich leider nicht aus. Ebenso chaotisch sieht es in Südeuropa aus, hier können die oben angesprochenen CutOff-Tiefs für lokale Unwetter sorgen. Man darf bei stark positiven Niederschlagssignalen wie gezeigt nicht von einem verregneten Sommermonat ausgehen, ein einziges Gewittertief reicht aus, um diese deutlichen Abweichungen zur Klimanorm zu erzeugen.
Vergleich der Prognose (oben) mit der Analyse (unten) der Abweichungen des Geopotenzials 500 hPa (ca. 5500 m) gegenüber dem langjährigen Mittel:

Die Zirkulationsform geriet ordentlich in Schieflage: Statt einer Hochsommer-typischen Zonalisierung hielt sich bis zum 24. Juli eine frühlingstypische, meridionale bis gemischte Zirkulation mit häufig blockierendem Hoch über dem Nordatlantik und Nordwesteuropa einerseits und über Nordrussland andererseits. Austrogungen fanden nicht wie erwartet vor den Westküsten Europas, sondern über Osteuropa statt. Daraus folgten für Mitteleuropa fast permanent Nordwest- bis Nordostlagen, die vor allem im Westen stark hochdruckgeprägt waren. Erst zum Ende des Monats stellte sich eine Südwestlage ein, womit sich der Schwerpunkt der Hitze nach Osteuropa verlagern konnte.
Abweichung der Monatsmitteltemperatur in ca 1500 m Höhe zur Vergleichsperiode 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Hier wird überdeutlich, wie sehr sich heisse Luftmassen und hohes Geopotenzial überlagern. Oder anders gesagt: Die Hitze wurde nicht etwa aus Afrika importiert, sondern vor Ort in den Hochdruckgebieten produziert – durch starke Sonneneinstrahlung und Austrocknung der Landmassen sowie durch permanentes Absinken der Luft in den Hochs auch über dem Wasser. So hatte kühle Meeresluft oder gar kalte Polarluft (in der Arktis ist es in diesem Sommer kalt wie schon lange nicht mehr) keine Chance, nach Westeuropa vorzudringen und fand nur den einen Weg über Skandinavien nach Osteuropa. „Dank“ überwiegend nördlicher Anströmung zu den Alpen und daraus resultierendem Nordföhn registrierte die Station Locarno-Monti eine Juli-Durchschnittstemperatur von 26.4 Grad: Noch nie wurde in der Schweiz ein Monatsmittel über 26 Grad gemessen. Aber auch die 24.0 Grad in Basel sind für die Deutschschweiz erstmalig. Vereinfacht auf den Punkt gebracht: Der Sommer 2026 hat im westlichen Mittel- und in Westeuropa durch sich gegenseitig aufschaukelnde Einflussfaktoren ein neues Klima installiert, wie sich auch in der Niederschlagsverteilung zeigt.
Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Das nach Nordosten verschobene Azorenhoch installierte eine selten dagewesene Sommerdürre in ganz Westeuropa. Doch auch nach Osten hin war es trocken, was angesichts der häufigen Nordwestlagen besonders am östlichen Alpennordrand erstaunt, müssten sich doch hier die Fronten ausregnen – diese sind aber längst ausgetrocknet in diesen Gebieten angekommen. Nur vom Baltikum ostwärts fielen signifikant überdurchschnittliche Regenmengen sowie regional durch (einzelne) heftige Gewitter an der Adria und im Süden Sardiniens. Mehr Details über die regionalen Unterschiede in Mitteleuropa zeigen wie immer die Karten der Landeswetterdienste: Schweiz, Österreich, Deutschland.
Kein einziger signifkant kühler Tag bei zwanzig Tagen Anströmung aus dem Nordsektor (von den 7 Tagen Ostlage waren 4 Nordost). Man darf sich gar nicht erst ausmalen, wie dieser Juli ausgesehen hätte mit überwiegend südlicher Anströmung. Man behalte ein solches Szenario für die Zukunft im Kopf: Was wir in diesem Jahr erleben, ist demzufolge nur die Vorspeise. Der Sommer 2026 zeigt uns gerade anschaulich auf, welches Potenzial an Hitze das heutige Klima bereithält, wenn dann mal alles zusammenpasst. Die elf „feuchten“ Tage beziehen sich wie so oft auf das Mittel am gewittrigen Alpenrand und in den Mittelgebirgen, im Flachland waren es durchschnittlich vier bis fünf und das sagt noch nichts über die Menge aus, die üblicherweise im Sommer sehr ungleich verteilt fällt.
Im Detail ist die Wetterlagenzusammensetzung für einen Juli schon sehr kurios:
Drei der „Big-Six“-Juli-Trendwetterlagen blieben gänzlich aus, zwei weitere waren mit drei bzw. vier Tagen bescheiden. Die antizyklonale Nordwestlage NWA stellte gerade die Statstik auf den Kopf und die überhaupt seltenste GWL Nordost antizyklonal NEA kam in den letzten 50 Jahren erst einmal im Hochsommer vor, nämlich Ende Juli bis Anfang August 1995 während fünf Tagen, die damals noch zur Kategorie „angenehm temperierter Sommertag“ gehörten. Sieben Tage NWZ und WZ hätten noch vor 20-30 Jahren eine richtig nass-kühle Witterungsphase gebracht, in diesem Jahr gingen deren Kaltfronten im Flachland nahezu trocken durch und brachten zwar durchaus Temperaturstürze von bis zu 10 Grad – aber eben von 38 auf 28 und am ersten sonnigen Tag ging es gleich wieder über 30. Willkommen im Sommer der Klimanorm 2021-2050!
Die Prognose für den August findet man auf unserer Partnerseite orniwetter.info. Sie wird je nach Datenverfügbarkeit ungefähr am 10. des Folgemonats verifiziert (die europäischen Portale brauchen leider für die Veröffentlichung deutlich länger als die NOAA, deren Analyse-Tool seit Mitte März nicht mehr aktualisiert wird).
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