2017 gegründet, ist der fotometeo-Wetterstationsatlas seither stetig gewachsen. Zunächst sollte es nur ein übersichtliches Archiv für die eigenen Foto-Dokumentationen werden, dann hat sich gezeigt, dass man damit viel mehr machen und den Atlas zu einem sehr nützlichen Werkzeug ausbauen kann. Inzwischen ist er so umfangreich, dass man eine Vollzeitstelle nur damit beschäftigen könnte, die Links hinter den Messpunkten aktuell zu halten. Vor einem Jahr hat Google angekündigt, dass die Links, die mit dem URL-Kürzer erstellt wurden, ab dem 25.08.2025 nicht mehr funktionieren werden. Davon gab es im ganzen Atlas verstreut weit über zehntausend, und so wurde ein beispielloser Kraftakt nötig, damit diese Links mit wertvollen Informationen nicht verloren gehen. Seit Anfang Jahr wurde fast jede freie Minute, die nicht draussen verbracht wurde, Link für Link abgearbeitet und aktualisiert. Mit der heutigen Deadline kann der Vollzug gemeldet werden. Der ideale Zeitpunkt, um die Funktionsweise und Informationsfülle dieses einmaligen Nachschlagewerks etwas näher vorzustellen.

Wer in der Karte ein blaues Tropfensymbol findet, schaut live bei der Arbeit zu. Es ist für ein paar Minuten zu sehen, vom Moment wo der Punkt gesetzt wird bis der Inhalt befüllt wurde und das definitive Design abgespeichert wird. Hier ein aktueller Ausschnitt aus dem Tessin. Auch hinter grauen Punkten können sich Links zu Google StreetView-Ansichten verbergen, dort sind einfach keine Details der Station zu erkennen, sie erlauben aber die Einordung der Lage der Station und die Einschätzung möglicher Einflüsse auf die Messwerte.
Alle Karten des internationalen Wetterstationsatlas sind auf der Wetterstationsseite zu finden. Da Google MyMaps auf maximal 10’000 Datenpunkte beschränkt ist, wurde der Atlas auf die WMO-Regionen aufgeteilt. Hier der aktuelle Stand:
Region I Afrika 1284 Datenpunkte
Region II Asien 2666 Datenpunkte
Region III Südamerika 1550 Datenpunkte
Region IV Nordamerika 2895 Datenpunkte
Region V Südwestpazifik + Antarktis 1375 Datenpunkte
Region VI Europa 9787 Datenpunkte
Total 19’557 Datenpunkte
In Europa wird bald das Limit erreicht, dabei fehlen noch einige regionale Messnetze, z.B. in Mittel- und Süditalien, aber auch weitere kantonale Niederschlagsmessnetze in der Schweiz und jene der Bundesländer Vorarlberg und Tirol warten auf die Erfassung. Daher wird es wohl nötig sein, die etwas eigenartige WMO-Aufteilung aufzuweichen und z.B. den Nahen Osten in die Asien-Karte zu verschieben und längst aufgegebene Stationen ohne Zusatzinformationen zu löschen. Alternative wäre eine separate Karte nur für Mitteleuropa, sofern Datenexporte und -importe problemlos funktionieren und alle grafischen Symbole und Bilder vom Original übernommen werden, dieser Versuch steht noch aus. Überhaupt könnte ich hierbei Hilfe gebrauchen. Wenn also jemand mit Programmierkenntnissen und der nötigen Begeisterung für dieses gemeinnützige Projekt mitwirken möchte, würde ich mich über eine entsprechende Kontaktaufnahme freuen. An dieser Stelle sei auch mal all jenen Kollegen im Ausland gedankt, die meine Leidenschaft teilen und in ihrer Region Wetterstationen fotografisch dokumentieren. Ohne sie würde der Atlas viel grauer aussehen…
Für alle, welche eine bestimmte Karte regelmässig nutzen, empfiehlt sich, diese im Browser als Lesezeichen abzuspeichern. Zu diesem Zweck öffnet man die Karte mittels des Buttons oben rechts in einem separaten Tab oder Fenster:
Sowohl in der kleinen wie grossen Ansicht lässt sich mit dem Button links oben das Menü öffnen, das weitere Funktionen erlaubt:
Wem zum Beispiel die Fülle sämtlicher Stationen zu unübersichtlich ist und nur das Hauptmessnetz (Stationen mit WMO-Kennung, Synop-Stationen und Niederschlagsradar) sehen möchte, kann die Ebenen mit den Ergänzungsmessnetzen (Agrometeo, reine Niederschlagsstationen, Schneestationen etc.) ausblenden. So lässt sich eine für den persönlichen Gebrauch optimierte Ansicht einstellen. Ein Klick auf die kleinen, nach unten gerichteten Pfeile oder auf „… 872 weitere“ öffnet die ganze alphabetische Stationsliste einer Ebene. Und ein Klick auf den Anfang des Beschreibungstextes oben links macht diesen ganz sichtbar, dort befindet sich auch der Link auf die folgende Legende, die sich so separat öffnen lässt:
Eine äusserst hilfreiche Funktion bietet die Lupe im roten Balken oben links (nur in der separat geöffneten Vollbildansicht verfügbar!). Damit lässt sich nach bestimmten Begriffen suchen, und man kann eine Liste mit allen Stationen öffnen, die den Suchbegriff enthält. Das können Stationsnamen sein (allerdings nicht immer einfach, da auf die genaue Schreibweise geachtet werden muss, also auch auf Sonderzeichen in Fremdsprachen, Accents etc.), der ICAO-Code eines Flugplatzes oder aber Stationen mit bestimmten Eigenschaften, die im Beschreibungstext der einzelnen Stationen enthalten sind, hier z.B. „Radiosonde“:
Ein Klick auf die einzelnen Punkte zeigt die Datenfülle, die für eine Station verfügbar sein können (manch verborgener Schatz lässt sich so heben). Hier wird vor allem der wahrscheinlich weltweit einzigartige Nutzen des Atlas ersichtlich: Man erspart sich, Links bei allen möglichen Anbietern in den verschiedenen Ländern mühsam zusammenzusuchen. Wer den Atlas nutzt, kann mit nur zwei Klicks sämtliche verfügbaren Informationen zu einer bestimmten Station abrufen:
Bei den aktuellen Messwerten wurde Wert darauf gelegt, dass möglichst die Primärquelle verlinkt wird, also in der Regel jene des Betreibers der Station. Nicht alle Wetterdienste betreiben jedoch eine öffentlich verfügbare Datenseite (manche staatliche Wetterdienste nicht mal eine Homepage), und so sind die Synops oft die einzige Quelle. Leider ist der Server von meteomanz.com (eine privat betriebene Seite) aufgrund der unermesslichen Datenfülle aller Synop-Stationen weltweit mit Archiv bis zurück ins Jahr 2000 nicht selten überlastet und erfordert etwas Geduld bei der Ladezeit, insbesondere wenn man dort weiterführende Statistiken auf Jahres- oder gar Monatsbasis abrufen möchte. Hierbei sei noch der dringend nötige Hinweis erlaubt, dass die dort gespeicherten Synops ungeprüfte Rohdaten sind. Fehlerhafte Meldungen werden nicht (auch nicht nachträglich) korrigiert und Nachmeldungen von Stationen mit Unterbrechung der Datenübertragung werden nicht eingepflegt. Wer die dortigen Statistiken verwenden möchte, muss sich also vergewissern, ob der ausgewertete Datenzeitraum sauber ist. Bei Flughäfen und Flugplätzen dürfte die erste Wahl ein Klick auf eine der METAR-Seiten sein, auch hier wurde zwecks Redundanz wo möglich mehr als ein Anbieter verlinkt. almetsat.com bietet zusätzlich zu den aktuellen Messwerten eine Vorhersage Terminal Aerodrome Forecast (TAF) an.
Klickt man auf die Seiten der Landeswetterdienste, eröffnen sich dort häufig weitere interessante Links zu Prognosekarten oder Statistiken. Leider breitet sich seit einiger Zeit die Unsitte aus, Direktlinks auf einzelne Stationen zu erschweren, oft ist ein Direktlink nur mit detektivischem Spürsinn und Tricksereien möglich – diese Arbeit wird euch dank diesem Stationsatlas erspart. Manche verunmöglichen Direktlinks gleich gänzlich, so zuletzt die ZAMG, die jetzt nicht mehr ZAMG heissen darf und die mir mit ihrer Namensänderung auf Geosphere Austria und einer Neugestaltung ihrer Seite in diesem Jahr gleich zweimal die Aktualisierung all ihrer Links aufgebürdet hat. Leider können die aktuellen Messwerte Österreichs jetzt nur noch via Umweg auf einer Übersichtskarte abgerufen werden. Noch ein Wort zu den DWD-Stationen: Dort wurden kürzlich Links auf die Meteogramme von mtwetter.de eingefügt, nachdem der zuvor verlinkte Anbieter neuerdings nur noch (wie der DWD selbst sowie Synop oder METAR) Stundenwerte anbietet. mtwetter (übrigens ebenfalls ein kleiner, privater Wetterdienstleister mit viel Innovationsgeist) ist derzeit der einzige mir bekannte Anbieter, der für Deutschland noch 10minütlich aktualiserte Werte veröffentlicht.
Zur Entstehungsgeschichte des Wetterstationsatlas
Wie kommt man überhaupt auf die verrückte Idee, Wetterstationen nachzujagen und zu dokumentieren?
Angefangen hat es mit der Anstellung bei der Unwetterzentrale in Wien (heute UBIMET) als Meteorologin im Jahr 2006. Österreich war mir zwar bereits aus einigen Urlaubsaufenthalten in groben Zügen bekannt, doch um genaue Wetterprognosen erstellen zu können, sind Ortskenntnisse unerlässlich. So zog ich an meinen dienstfreien Tagen so oft wie möglich los, um Land und Leute und eben die Lage der Messstationen kennenzulernen. Bereits am zweiten Wochenende meiner Anstellung wählte ich als Ziel meiner Radtour die erste Wetterstation auf den Leiser Bergen nördlich von Wien aus:
Wie man sieht, hat die Lage der Station durchaus ihren Reiz, und so wuchs die Neugier auf weitere Stationen stetig an. In Unkenntnis der landesüblichen Gepflogenheiten musste ich auch einige Niederlagen einstecken, welche in der interaktiven Karte gelb, grau oder gar schwarz unterlegt sind. Viele Wetterstationen stehen versteckt auf Privatgelände, auf öffentlich nicht zugänglichen Arealen des Militärs, von Forschungsanstalten, Elektrizitätswerken oder ähnlichen Einrichtungen. Ohne punktgenaue Koordinaten (zu jener Zeit lagen häufig nur Grad und gerundete Minuten vor) entzog sich so manch begehrte Station meinen Blicken. Bei den heute verfügbaren Hilfsmitteln ist es (zumindest in Mittel-, West- und Nordeuropa) kaum mehr vorstellbar, dass man wenige Meter an einer Wetterstation vorbeiradeln kann, ohne sie zu finden.
Der Erkenntnisgewinn solcher Besuche für eine Meteorologin im Warndienst kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Weiss man zum Beispiel, dass der Wind nicht nach WMO-Norm in 10 Meter Höhe, sondern auf einem Hochhaus gemessen wird, oder die Station nicht in der namensgebenden Stadt liegt, sondern auf einem 200 m höher gelegenen Hügel, relativiert sich so manche Sturmwarnung… Auch ist es eine Offenbarung, mal an einem sonnigen Sommertag durch ein enges Alpental gegen den Talwind zu einer Messstation geradelt zu sein. Niemals wird man seine Kundschaft – zum Beispiel Ballonfahrer – in eine ähnliche Situation bringen wollen.
Auch ist es anhand der vorliegenden Bilder ein leichtes, schlagzeilenträchtige Rekordmeldungen während sommerlicher Hitzewellen ins rechte Licht zu rücken. Viele der damals kritisierten Stationen wurden inzwischen an bessere Standorte verlegt, vielleicht hat ja dieses Projekt hier die Sache etwas beschleunigt. Auch sind die Betreiber der Stationen immer wieder dankbar, wenn ihnen nach einem Besuch Schäden oder einfach zu beseitigende Einflüsse gemeldet werden.
Der Atlas macht zwar wie oben beschrieben viel Arbeit, eröffnet aber auch die Möglichkeit, virtuell zu reisen, sich weiterzubilden und sich an den oftmals atemberaubenden Bildern (z.B. in Skandinavien, Island, Mittelmeerküste) zu laben. Kuriositäten oder die sehr unterschiedlichen Normen der Wetterstationen weltweit tun ihr Übriges, die Leidenschaft für dieses Projekt (ich nenne es unbescheiden mein Lebenswerk) so rasch nicht zu verlieren. Die nächste Station, die ich erstmals besuchen und dokumentieren werde, wird übrigens die 400. sein…
Die Sache hat aber einen Haken: Abgesehen vom Erkenntnisgewinn für die eigene Berufstätigkeit bringt die Herumreiserei und die Arbeitszeit für das öffentliche Dokumentieren und Aktualisieren nichts ein, kostet aber jedes Jahr eine ordentliche Stange Geld. Ich möchte mit meinen Seiten Aufklärung in Sachen Wetter und Klima betreiben, und das Angebot nicht hinter einer Bezahlschranke verbergen und auch nicht mit aufdringlicher Werbung nerven. Daher sind freiwillige kleine oder auch grössere Beiträge an den Blog und an die Förderung des Stationsatlas immer willkommen. Herzlichen Dank!
Noch besser, weil für die Empfängerin spesenfrei, sind direkte Einzahlungen auf eines der angegebenen Konten unter den Kontaktdaten.
Spendenbarometer (fotometeo und orniwetter zusammen, Erklärung siehe hier):





Microwave am 27. August 2025 um 11:03 Uhr
Hoi Fabienne, das ist schon mehr als genial, und danke für den Kraftakt! Das Angebot wurde leider wieder viel zu wenig gebraucht von mir, aber ist mein „Go to“ wenn ich mal reise…
Liebe Grüsse Microwave