Auch der diesjährige Februar entpuppte sich im südwestlichen Mitteleuropa als lupenreiner Frühlingsmonat. Mit einem Schnitt von 5.3 °C in den Niederungen der Alpennordseite der Schweiz (Mittel aus fünf repräsentativen homogenen Messreihen) war der Februar 2026 ein gutes Grad wärmer als das Märzmittel der Klimanormperiode 1961-90. Wie bereits im Januar fand der (Rest-)Winter 500 km weiter nordöstlich statt. Das Temperaturgefälle war enorm und die Grenze zwischen dauerfrostig und frühlingshaft ungewöhnlich scharf und stationär. Erst am 21. konnte die Kaltluft auch von der deutschen Ostseeküste verdrängt werden.

T-Shirt-Wetter Ende Februar wird am nördlichen Alpenrand immer mehr zur Norm (Gürbetal, 27.02.2026, TMax 18 °C)
Die fotometeo.ch/orniwetter.info-Monatsprognose, erstellt am 1. Februar, lautete wie folgt:
Die einzelnen Läufe der Langfristmodelle sind sich in letzter Zeit sehr einig, Unterschiede sind nur bei genauem Hinsehen in Details auszumachen. Für Mitteleuropa geht der jüngste Trend immer mehr in Richtung (sehr) mild, ich bin da etwas skeptischer und traue der bodennahen Kaltluft mehr Resistenz zu als von den Modellen gezeigt. Daher habe ich mich für einen Lauf entschieden, der diesen Zustand zumindest teilweise abbildet. Bei den Druckabweichungen besteht kein Zweifel, dass eine stark negative Anomalie den gesamten mittleren Nordatlantik sowie Mittel- und Südeuropa dominiert. Von Grönland über das Nordmeer bis Skandinavien und weiter nach Nordrussland herrscht eine stark positive Anomalie vor. Dies hat eine stark nach Süden verlagerte Frontal- bzw. Westwindzone zur Folge, die im Schnitt über den Azoren und südlich der Pyrenäen und Alpen verläuft. Die aktuelle Südostlage mit dem starken Temperaturgefälle von Südwest nach Nordost bleibt noch ein paar Tage bestehen, gefolgt von einer südlichen Westlage mit ebenso starkem Temperaturgefälle von Süd nach Nord quer durch Mitteleuropa hinweg. Etwa vom 10. bis 15. deutet sich eine Nordlage an, die den Winter für ein paar Tage auch ins südliche Mitteleuropa zurückbringen dürfte. Für die zweite Monatshälfte sollte sich nicht nur nach Statistik, sondern auch nach den Modellen (die aber leider stark auf Statistik beruhen), die Westwindzone allmählich nach Norden verlagern, sprich: Mildere West- bis Südwestlagen sollten dann allmählich auf ganz Mitteleuropa durchgreifend übernehmen, aber damit hatten die Modelle in letzter Zeit des Öfteren ihre Probleme.
Die extremen Temperaturunterschiede in den ersten zehn Tagen zwischen dem nördlichen und südlichen Mitteleuropa bilden sich auch im Monatsmittel noch deutlich ab. Ich zweifle etwas daran, dass eine negative Bilanz zum Mittel 1991-2020 wie in der Karte unten gezeigt im Nordosten Deutschlands bis zum Monatsende ausgeglichen wird, dieser kleine milde Fleck dort wird in fast allen Läufen gezeigt und könnte auf ein Modellartefakt oder falsche Klimadaten zurückzuführen sein. Ein bis zwei Grad im Plusbereich für das südliche Mitteleuropa halte ich hingegen für plausibel, soll doch nach aktuellen Mittelfristmodellen eine kältere Phase erst zur Monatsmitte eintreffen und vermutlich auch nicht allzu lange dauern.
Beim Niederschlag bekommt der Mittelmeerraum und insbesondere das westexponierte Portugal im ersten Monatsdrittel die volle Breitseite ab, später werden auch die weiter nördlich gelegenen Regionen Westeuropas gewässert. Die trockenen Zonen nördlich der Gebirge Mitteleuropas sind der zunächst südöstlichen Anströmung und somit Föhneffekten geschuldet. Damit diese bis zum Monatsende nicht kompensiert werden, müsste eine Blockierung durch Hochs über Mittel- oder Osteuropa auch in der zweiten Monatshälfte bestehen bleiben – derzeit sehr spekulativ. Nordeuropa bleibt unter sehr beständigem Hochdruckeinfluss weitgehend trocken, Ausnahme bilden da die Ostseiten der Gebirge, an denen sich gelegentlich feuchtere Luftmassen stauen können.
Vergleich der Prognose (oben) mit der Analyse (unten) der Abweichungen des Bodendrucks gegenüber dem langjährigen Mittel:

Mehr Präzision bei einer Monatsprognose geht fast nicht. Der Hochdruck über Grönland und dem Nordmeer war etwas weniger persistent, ansonsten liegen sowohl Position wie Beträge der Druckabweichungen nahezu perfekt. Die Ausrichtung des Tiefdrucks war schlussendlich noch etwas zonaler als prognostiziert, dies machte aber für unser Wetter keinen wesentlichen Unterschied.
Abweichung der Luftmassen-Monatsmitteltemperatur in rund 1500 m Höhe zur Vergleichsperiode 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Eine perfekte Prognose der Druckabweichungen muss nicht immer zwingend auch eine perfekte Temperaturprognose nach sich ziehen. Offenbar hat das Modell die Wärme der aus Süd bis Südwest advehierten Luftmassen stark unterschätzt – warum auch immer, denn Nordafrika war schon seit Wochen extrem überhitzt mit reihenweise purzelnden Rekorden. Wenn ein Klimamodell Klimaerwärmung nicht kann, sollten die Alarmglocken schrillen. Stattdessen wird auf Geheiss der US-Regierung die öffentlich verfügbare NOAA-Analyse eingestellt, das wird die Lage ganz bestimmt rasch beruhigen…
Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Besser als bei der Temperatur ist die Übereinstimmung mit der Druckverteilung beim Niederschlag. Die Westküste der Iberischen Halbinsel bekam etwas weniger ab als erwartet, dieser Anteil wurde für Frankreich abgezweigt und es blieb sogar noch genug für die südliche Hälfte Mitteleuropas übrig. Für diese Details empfiehlt sich ein Blick in die Karten der Landeswetterdienste: Schweiz, Österreich, Deutschland. Wir lernen daraus: Unterschätzt das Modell bei überwiegendem Tiefdruck die Wärme einer Luftmasse, resultiert daraus eine Unterschätzung des niederschlagbaren Wassers. Physik ganz einfach…
Die erwartete Nordlage zur Monatsmitte blieb aus, entsprechend konnten auch keine kalten Tage im südlichen Mitteleuropa verzeichnet werden. Abgesehen davon hielt sich die Wetterlagen-Entwicklung exakt an unser Drehbuch. Ein Drittel des Monats war extrem mild, wobei die Grafik einen Kompromiss zeigt. Im Westen waren es mehr warme Tage (14 in Bern), im Osten ein paar weniger (8 in Salzburg, 5 in Wien). Mehr als die Hälfte des Monats war durch Westlagen geprägt, die sieben Tage des GWT Ost waren allesamt zyklonale Südostlagen. Nur die letzten fünf Tage waren hochdruckbestimmt mit der warmen Südwestlage.
Die Prognose für den März findet man auf unserer Partnerseite orniwetter.info. Dies war wahrscheinlich die letzte Monatsanalyse in der vorliegenden Form, da die NOAA die NCEP/NCAR-Analyse ab 9. März nicht mehr aktualisieren wird (stop the count! „it will soon getting colder, you’ll see…“). In welcher Form Monatsanalysen in Zukunft erscheinen werden, wird noch evaluiert – alternative Tools von europäischen Anbietern sind vorhanden, die Monatsdaten sind aber deutlich später verfügbar als jene der Amerikaner und können nicht individuell formatiert werden, um sie passend zu unseren Prognosekarten zu machen.
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