Grosswetterlagen (GWL) werden in Grosswettertypen (GWT) zusammengefasst, und jene in Zirkulationsformen (ZF). Damit lassen sich langfristige Veränderungen oder auch mittelfristige Schwankungen im Klima erfassen. Der Grosswettertyp Süd weist mit etwa 11.5 % Anteil im Jahresschnitt einen recht stabilen Trend auf, allerdings gibt es starke Verschiebungen zwischen den Jahreszeiten und der Trog Westeuropa gewinnt auf Kosten der anderen Südlagen. Ein Porträt.

Bei einer idealen Südlage werden subtropische Luftmassen wie in diesem Fall aus der Sahara über West- und Mitteleuropa hinweg weit nach Norden verfrachtet.
Beschreibung
Stark mäandrierende Frontalzonen mit einem nahezu 90°-Winkel zu den Breitengraden oder eben entlang der Längengrade (Meridiane) werden der meridionalen Zirkulationsform zugeordnet. Dabei findet ein reger Austausch von Luftmassen zwischen der Polarregion und den Subtropen über die gemässigte Klimazone hinweg statt und ist ein typisches Phänomen der Übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst. Bei der Südlage liegt tiefer Luftdruck im Westen, hoher Luftdruck im Osten von Mitteleuropa. Der Luftmassen-Ausgleich von Nord nach Süd findet dabei in der Regel weit draussen auf dem Atlantik statt.
Zuordnung
Grosswetterlagen (GWL): Süd antizyklonal SA, Süd zyklonal SZ, Tief Britische Inseln TB, Trog Westeuropa TRW
Zirkulationsform (ZF): meridional
Klimaregime: meist Block; bei südlich liegenden Tiefs und höherem Druck über Island NAO- (negative nordatlantische Oszillation); selten ATR (atlantischer Rücken) bei TRW
Statistik
häufigstes Auftreten im Zeitraum 2001-2025: Juli 16.77 %, Juni 16.27 %
häufigstes Auftreten im Zeitraum 1976-2000: Oktober 16.13 %, Mai 15.61 %
seltenstes Auftreten im Zeitraum 2001-2025: Januar 5.81 %
seltenstes Auftreten im Zeitraum 1976-2000: Dezember 5.55 %
Häufigkeit Gesamtjahr im Zeitraum 2001-2025: 11.53 %, Veränderung gegenüber 1976-2000: +0.12 Prozentpunkte
längste ununterbrochene GWT-Phase Süd seit 1976: 25 Tage vom 28. Oktober bis 21. November 2000
Ursprünglich hatte der GWT Süd sein statistisch häufigstes Auftreten im Frühling und Herbst, das geringste im Winter. Seit dem Milleniumswechsel hat jedoch eine starke Zunahme im Sommer stattgefunden, insbesondere mit einer Verdoppelung im Juli, die auf vermehrte Tiefs bei den Britischen Inseln und Trog Westeuropa beruht. Diese Vermehrung geht einher mit gleichzeitig starker Abnahme von Ostlagen, d.h. blockierende Hochs liegen im Hochsommer häufiger über Osteuropa statt über Skandinavien. Die Klimaerwärmung führt offenbar zu einem starken Anstieg des Geopotenzials östlich von uns, was Wetterlagen aus dem Südsektor fördert. Dies ist ein sich aufschaukelndes System, denn warme Luftmassen aus Süden stützen hohes Geopotenzial.
Der GWT Süd weist sowohl mittel- wie langfristig eine recht stabile Entwicklung auf, der Trend ist nur leicht steigend. Zwar gibt es einzelne Ausreisser-Jahre nach oben und unten (zuletzt die sehr gegensätzlichen Jahre 2020 und 2021), der breite Erwartungswert liegt aber zwischen 30 und 50 Tagen pro Jahr.
Die höchste Wahrscheinlichkeit für Südlagen liegt bei den Monatswechseln vom April zum Mai und vom Oktober zum November. Etliche frühere Spitzen haben sich um eine bis zwei Wochen verschoben, am auffälligsten ist jedoch die starke Zunahme von Mitte Juni bis Mitte Juli, während der früher stark besetzte Zeitraum Ende Mai bis Anfang Juni völlig eingebrochen ist.
Typische Beispiele
Vergleich des Bodendrucks der vier Südlagen im Winter (linke Spalte) und im Sommer (rechts). Klick ins Bild öffnet grössere Ansicht:
Diese Darstellung dient einerseits dem Vergleich der vier verschiedenen Südlagen, andererseits zeigt er den Unterschied zwischen derselben Wetterlage im Winter und im Sommer auf. Im Winterhalbjahr sind die Druckunterschiede zwischen Hoch und Tief ausgeprägter, was auch stärkeren Südwind (Föhnstürme in den Alpen insbesondere im Spätherbst) zur Folge hat. Die flache Druckverteilung im Sommer begünstigt hingegen Unwetter durch nur langsam ziehende Gewitter.
Temperaturverteilung im 850hPa-Niveau (ca. 1500 m) derselben Wetterlagen wie oben (Klick ins Bild öffnet grössere Ansicht):
Typisch für den GWT Süd ist die starke Verfrachtung von sehr warmen bis heissen Luftmassen weit nach Nordeuropa im Sommer. Im Winter bremst das Kaltluftreservoir im Norden hingegen das Vorankommen der Subtropenluft aus und es kommt zu scharfen Luftmassengrenzen in der Regel irgendwo über Südskandinavien oder Norddeutschland. Sehr schön zu sehen ist hier zu beiden Jahreszeiten die jeweilige Gegenbewegung polarer Luftmassen nach Süden auf dem Atlantik bis nach Westeuropa.
Grundlagen:
Katalog der Großwetterlagen Europas (1881-2009) nach Paul Hess und Helmut Brezowsky
Statistik der Grosswetterlagen aufgeschlüsselt nach Monat und Gesamtjahr im Zeitraum 2001-2025
Statistik der Grosswetterlagen aufgeschlüsselt nach Monat und Gesamtjahr im Zeitraum 1976-2000
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