Grosswetterlagen (GWL) werden in Grosswettertypen (GWT) zusammengefasst, und jene in Zirkulationsformen (ZF). Damit lassen sich langfristige Veränderungen oder auch mittelfristige Schwankungen im Klima erfassen. Der Grosswettertyp Ost ist mit einem Anteil im Jahresschnitt von 12-13 % über das letzte halbe Jahrhundert recht stabil. Am häufigsten ist er im Frühling anzutreffen. Ein Porträt.

Die klassische Ostlage bringt meist eher trockene Kontinentalluft nach Mitteleuropa. Im Winter ist sie kalt, im Sommer sehr warm. Bei zyklonalen Lagen wie in diesem Beispiel beeinflusst aber auch feuchte Mittelmeerluft den Alpenraum.
Beschreibung
Der Grosswettertyp Ost wird zwar der Einfachheit halber der meridionalen Zirkulationsform zugeordnet, genau genommen ist daran aber überhaupt nichts meridional. Vielmehr handelt es sich bei den klassischen Ostlagen um eine verkehrte zonale Zirkulation und bei den Nordost- und Südostlagen um verkehrte gemischte Zirkulation. Nur schon wegen der möglichen Luftmassenherkunft ist der Grosswettertyp Ost derjenige, der die grösstmögliche Vielfalt aufweist und somit als Gesamtheit schwer zu charakterisieren ist. Vielleicht wäre es von den Erfindern der Systematik schlauer gewesen, die Nordostlagen dem GWT Nord und die Südostlagen dem GWT Süd zuzuordnen.
Zuordnung
Grosswetterlagen (GWL): Nordost antizyklonal NEA, Nordost zyklonal NEZ, Hoch Fennoskandien antizyklonal HFA, Hoch Fennoskandien zyklonal HFZ, Hoch Nordmeer-Fennoskandien antizyklonal HNFA, Hoch Nordmeer-Fennoskandien zyklonal HNFZ, Südost antizyklonal SEA, Südost zyklonal SEZ
Zirkulationsform (ZF): meridional
Klimaregime: meist Block; selten (bei bis nach Island ausgreifenden Hochs) NAO- (negative nordatlantische Oszillation)
Statistik
häufigstes Auftreten im Zeitraum 2001-2025: April 20.40 %, Mai 19.23 %
häufigstes Auftreten im Zeitraum 1976-2000: Mai 23.61 %
seltenstes Auftreten im Zeitraum 2001-2025: Juli 5.55 %
seltenstes Auftreten im Zeitraum 1976-2000: September 8.13 %
Häufigkeit Gesamtjahr im Zeitraum 2001-2025: 12.18 %, Veränderung gegenüber 1976-2000: -0.83 Prozentpunkte
längste ununterbrochene GWT-Phase Ost seit 1976: 24 Tage vom 29. Januar bis 21. Februar 1986
Der GWT Ost war schon immer zur Hauptsache ein Frühllingsphänomen. Auffällig ist die Zunahme seit dem Milleniumswechsel im September mit fast einer Verdoppelung, während das Auftreten im Juli mehr als halbiert wurde. Im Winter und da ganz besonders im Februar ist unter den meridionalen Lagen eine Wanderung von Ost zu Nord auszumachen, was mutmasslich mit der markanten Erwärmung des Nordatlantiks zusammenhängt und dort stabilere Hochs fördert, während das markante Temperaturgefälle zur kalten Landmasse Skandinaviens dort Tiefs hervorbringt.
Der GWT Ost weist sowohl mittel- wie langfristig eine recht stabile Entwicklung auf, der Trend war lange Zeit leicht sinkend und in jüngster Zeit stagnierend. Zwar gibt es einzelne Jahre mit starken Ausschlägen nach oben und unten, der Erwartungswert liegt aber zwischen 40 und 50 Tagen pro Jahr. Stark nach oben ausreissende Jahre wie 1996 und 2018 weisen massive Störungen der nordhemisphärischen Zirkulation auf, mitunter verursacht durch Impulse aus der Stratosphäre (v.a. 2018 belegt, im letzten Jahrhundert ist die Datenlage zum Stratosphärenzustand dünn bis gar nicht vorhanden).
Die höchste Wahrscheinlichkeit für Ostlagen hat sich von Mitte Mai (ehemals „Eisheilige“) zu Mitte April verlagert, ein neues sekundäres Maximum hat sich zum Monatswechsel Mai/Juni gebildet. Danach fallen Ostlagen fast gänzlich weg, Mitte Juli sind sie kaum noch anzutreffen. Auffällig ist wiederum die Zunahme vom 23. bis 26. August und in der bisher schwach besetzten ersten Septemberhälfte. Markant ist der Rückgang auch von Mitte Januar bis Ende Februar, im Winter konnte Ost einzig in der ersten Januarhälfte leicht zulegen.
Typische Beispiele
Vergleich des Bodendrucks der vier antizyklonalen Ostlagen im Winter (linke Spalte) und im Sommer (rechts). Klick ins Bild öffnet grössere Ansicht:
Diese Darstellung dient einerseits dem Vergleich der vier verschiedenen antizyklonalen Ostlagen, andererseits zeigt er den Unterschied zwischen derselben Wetterlage im Winter und im Sommer auf. Im Winterhalbjahr sind die Druckunterschiede zwischen Hoch und Tief ausgeprägter, was auch stärkeren Ostwind (bei Südostlagen in den Alpen Föhn) zur Folge hat.
Temperaturverteilung im 850hPa-Niveau (ca. 1500 m) derselben Wetterlagen wie oben (Klick ins Bild öffnet grössere Ansicht):
Typisch für den GWT Ost ist der extreme Unterschied der Luftmassentemperatur zwischen Sommer- und Winterhalbjahr. Die meist kontinentalen Luftmassen sind im Winter in Bodennähe stark ausgekühlt, während sie sich im Sommer stark aufheizen. Die gezeigte Wärme über Nordeuropa beschränkt sich auf Höhen oberhalb der Inversion, bodennah kann sich die Subsidenz unter dem Hoch in der Regel nicht durchsetzen – anders im Sommer: Besonders lang andauernde Ostlagen sorgen in Skandinavien mitunter für Hitzewellen.
Vergleich des Bodendrucks der vier zyklonalen Ostlagen im Winter (linke Spalte) und im Sommer (rechts). Klick ins Bild öffnet grössere Ansicht:
Diese Darstellung dient einerseits dem Vergleich der vier verschiedenen zyklonalen Ostlagen, andererseits zeigt er den Unterschied zwischen derselben Wetterlage im Winter und im Sommer auf. Im Winterhalbjahr sind die Druckunterschiede zwischen Hoch und Tief ausgeprägter, was auch stärkeren Ostwind (bei Südostlagen in den Alpen Föhn) zur Folge hat. Die flache Druckverteilung im Sommer begünstigt hingegen Unwetter durch nur langsam ziehende Gewitter, die wegen ungewöhnlicher Zugbahn Regionen erreichen, die sonst eher als gewitterarm gelten.
Temperaturverteilung im 850hPa-Niveau (ca. 1500 m) derselben Wetterlagen wie oben (Klick ins Bild öffnet grössere Ansicht):
Bei den zyklonalen Varianten sind im südlichen Mitteleuropa meist Luftmassen im Spiel, die vom Mittelmeer auf Umwegen über Osteuropa zurückfliessen und entsprechend mehr Feuchtigkeit enthalten. Dies und häufiges Aufgleiten dieser feucht-warmen Höhenluft auf bodennahe Kaltluft sorgt für anhaltende und ergiebige Niederschläge im Alpenraum, die je nach Anströmung auf der Nord- oder der Südseite, häufig aber auch am Alpenostrand im Winter für grosse Schneemengen und im Sommer für Überflutungen sorgen können.
Grundlagen:
Katalog der Großwetterlagen Europas (1881-2009) nach Paul Hess und Helmut Brezowsky
Statistik der Grosswetterlagen aufgeschlüsselt nach Monat und Gesamtjahr im Zeitraum 2001-2025
Statistik der Grosswetterlagen aufgeschlüsselt nach Monat und Gesamtjahr im Zeitraum 1976-2000
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