Grosswetterlagen (GWL) werden in Grosswettertypen (GWT) zusammengefasst, und jene in Zirkulationsformen (ZF). Damit lassen sich langfristige Veränderungen oder auch mittelfristige Schwankungen im Klima erfassen. Der Grosswettertyp Hoch ist der zweithäufigste, weist im Jahresschnitt einen Anteil von knapp 15 % auf und erweist sich über die letzten Jahrzehnte als bemerkenswert stabil. Es gibt jedoch eine starke Verlagerung von der klassischen Hochdrucklage zur Hochdruckbrücke. Ein Porträt.

Bei der klassischen Hochdrucklage liegen die für die gemischte Zirkulation typischen Polarfronten mit 45°-Neigung zu den Breitengraden ausserhalb Mitteleuropas, meist über den Britischen Inseln (Südwestströmung) und über Osteuropa (Nordwestströmung).
Beschreibung
Mässig mäandrierende Frontalzonen mit einer Neigung von ungefähr 45 % zu den Breitengraden werden der gemischten Zirkulation zugeordnet. Liegt das Hoch genau über Mitteleuropa, kommt es auf seine Ausrichtung an, welcher GWL es zugeordnet wird. Ein kugelrundes Hoch oder eins mit eher meridionaler Erstreckung gilt als das klassische Hoch Mitteleuropa. Hochs mit zonaler Erstreckung gelten als Hochdruckbrücke, wobei der Name bereits voraussetzt, dass Hochdruckzentren als Brückenköpfe sowohl westlich wie östlich von Mitteleuropa vorhanden sein müssen.
Zuordnung
Grosswetterlagen (GWL): Hoch Mitteleuropa HM, Hochdruckbrücke Mitteleuropa BM
Zirkulationsform (ZF): gemischt
Klimaregime: meist Block, bei südlicher Lage einer Hochdruckbrücke auch NAO+ (positive nordatlantische Oszillation)
Statistik
häufigstes Auftreten im Zeitraum 2001-2025: März 18.45 %
häufigstes Auftreten im Zeitraum 1976-2000: Januar 17.03 %
seltenstes Auftreten im Zeitraum 2001-2025: Mai 11.35 %
seltenstes Auftreten im Zeitraum 1976-2000: März 12.00 %
Häufigkeit Gesamtjahr im Zeitraum 2001-2025: 14.49 %, Veränderung gegenüber 1976-2000: +0.04 Prozentpunkte
längste ununterbrochene GWT-Phase Hoch seit 1976: 18 Tage vom 29. Januar bis 15. Februar 1993
Zwar erscheint die Häufigkeit des GWT Hoch im Jahresschnitt extrem stabil, bei einigen Monaten gibt es hingegen starke Verschiebungen. So ist mit dem März der schwächste Monat vor dem Milleniumswechsel nun der stärkste geworden, aber auch April und November konnten stark zulegen. Die grössten Verluste weisen der Januar, Juli/August und der Oktober auf. Wir warten gespannt auf den Vergleich von zwei 30-jährigen Zeitreihen, um Zufälle ausschliessen zu können.
Der Mittelfristverlauf zeigt eine wellenförmige Bewegung mit jeweils 10 Jahre andauernden Bergen und Tälern, im Langfristtrend ist der GWT Hoch hingegen sehr stabil. Nach der Baisse 2012 bis 2017 befinden wir uns derzeit wieder in einer aktiveren Phase. Diese Periodizität könnte mit globalen Mustern zusammenhängen. Sollte eine längere Zeitreihe diese Vermutung bestätigen, kann der Ursache genauer nachgegangen werden.
In fast jedem zweiten Jahr seit dem Milleniumswechsel herrschte Mitte November eine Hochdrucklage, zusammen mit weiteren antizyklonalen Lagen aus dem Südsektor ist der Martinisommer somit eine sichere Bank. Ansonsten fallen die Zunahmen von Mitte März bis Anfang April und vom 21. bis 26. April auf. Dieses als „End-April-Warming“ bekannte Phänomen trat in den Jahren 2002-2013 regelmässig auf, ist seither aber ausgeblieben. Im Februar gibt es eine auffällige Verlagerung vom Anfang und Ende zur Mitte des Monats. Ziemlich sicher nicht mit einer Hochdrucklage sollte man um den 18. Mai herum rechnen, ein solches Loch in der 50-jährigen Zeitreihe kann kein Zufall sein.
Typische Beispiele
Vergleich des Bodendrucks der beiden Südwestlagen im Winter (linke Spalte) und im Sommer (rechts). Klick ins Bild öffnet grössere Ansicht:
Diese Darstellung dient einerseits dem Vergleich der beiden Hochdrucklagen, andererseits zeigt er den Unterschied zwischen derselben Wetterlage im Winter und im Sommer auf. Im Winter ist der Kerndruck im Hoch wesentlich höher, im Sommer sind das selten mehr als nur Flachdrucklagen mit entsprechender Gewitteranfälligkeit insbesondere über Gebirgen.
Temperaturverteilung im 850hPa-Niveau (ca. 1500 m) derselben Wetterlagen wie oben (Klick ins Bild öffnet grössere Ansicht):
Das Absinken der Luft im Hochdruckgebiet erwärmt die Luftmasse stetig von oben. Im Winter kühlt die bodennahe Luftschicht jedoch stark aus, es bildet sich eine Absinkinversion, die nicht durchbrochen werden kann. Bei wesentlich längerer Sonneneinstrahlung im Sommer ist dieser Effekt weitaus geringer, die Inversion löst sich in der Regel gegen Mittag auf und Thermik setzt ein.
Grundlagen:
Katalog der Großwetterlagen Europas (1881-2009) nach Paul Hess und Helmut Brezowsky
Statistik der Grosswetterlagen aufgeschlüsselt nach Monat und Gesamtjahr im Zeitraum 2001-2025
Statistik der Grosswetterlagen aufgeschlüsselt nach Monat und Gesamtjahr im Zeitraum 1976-2000
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