Obwohl bei den Nordlagen eingeordnet, ähnelt die Grosswetterlage „Hoch Britische Inseln“ oft eher einer antizyklonalen Nordwestlage. Die Abgrenzung zwischen diesen nahe verwandten GWL ist daher auch nicht immer ganz einfach, ebenfalls zwischen Nord antizyklonal und Hoch Britische Inseln. Ein Porträt.

Taucht fast alljährlich im März mindestens einmal in den Wetterkarten auf: kräftiges, rundes Hoch über den Britischen Inseln (Orientierungshilfe: roter Punkt = Basel)
Beschreibung
Ein abgeschlossenes Hoch liegt mit seinem Kern über den Britischen Inseln oder dem unmittelbar angrenzenden Seegebiet. Manchmal ist es mit einem bei Grönland bis Island gelegenen kalten Polarhoch verbunden, häufiger wird es aber nördlich von atlantischen Tiefs umlaufen. Über Osteuropa ist ein oft weit nach Süden reichender Trog zu erkennen. Die an der Westflanke des Troges südostwärts ziehenden Störungen streifen höchstens das östliche Mitteleuropa. Im Mittelmeerraum und im Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel herrscht vielfach tiefer Luftdruck.
Zuordnung
Grosswettertyp (GWT): Nord
Zirkulationsform (ZF): meridional
Klimaregime: ATR (atlantischer Rücken), Übergang zu Block wenn sich das Hoch nach Osten verlagert
Verwandte GWL: in antizyklonaler Richtung Nord antizyklonal NA und Hoch Mitteleuropa HM; in zyklonaler Richtung Hoch Nordmeer-Island zyklonal HNZ und Nordwest antizyklonal NWA
Statistik
häufigstes Auftreten im Zeitraum 2001-2025: März 7.10 %
häufigstes Auftreten im Zeitraum 1976-2000: April 3.87 %
seltenstes Auftreten im Zeitraum 2001-2025: August 0.52 %
seltenstes Auftreten im Zeitraum 1976-2000: Februar 0.42 %, Januar 0.52 %, Dezember 0.52 %
Häufigkeit Gesamtjahr im Zeitraum 2001-2025: 2.58 %, Veränderung gegenüber 1976-2000: +0.61 Prozentpunkte
Rang Häufigkeit aller GWL: 1976-2000 Rang 19, 2001-2025 Rang 14 (Rangverschiebung: +5)
längste ununterbrochene GWL HB: 13 Tage vom 25. Januar bis 6. Februar 2006
häufigste Nachfolge-GWL 1881-1997 (nach DWD): 1.: Hoch Mitteleuropa HM 19.0 % / 2.: Nordwest zyklonal NWZ 9.8 % / 3.: Nordwest antizyklonal NWA 8.6 %
seltenste Nachfolge-GWL 1881-1997 (nach DWD): Südost zyklonal SEZ und Tief Britische Inseln TB je 0.0 %
Als meridionale Lage weist HB sein Maximum typischerweise in den Übergangsjahreszeiten auf. Allerdings hat sie in letzter Zeit vor allem im Winter und noch deutlicher im März zugenommen, während sie im späteren Frühling rückläufig ist.
In früheren Statistiken wurde ein sehr starkes Auftreten von HB in den 1990er und 00er Jahren und als Folge davon ein sinkender Langzeittrend gezeigt. Wie sich herausgestellt hat, war dies ein Artefakt aufgrund „spezieller“ Praktiken bei der Bestimmung durch den DWD nach dem Motto: Immer wenn über England ein „H“ auf der Karte zu sehen ist, muss es HB sein. Natürlich nicht! Die eigene Klassifikation hat aufgedeckt, dass viele durch den DWD als Hoch Britische Inseln bestimmte Lagen den Nordwestlagen zuzuordnen sind. So waren beispielsweise die Jahre 1999 bis 2001 besonders stark mit falschen HB-Klassifikationen befrachtet (24/29/16 Tage, übrig geblieben sind nach der Bereinigung je drei). Nun haben wir bei konsistenter Bestimmungspraxis einen deutlich steigenden Trend über die gesamte Periode hinweg.
Der ehemalige Peak Mitte Juni ist gänzlich verschwunden, während sich der Anstieg im Frühling auf mehrere Blöcke verteilt, insbesondere in der zweiten Märzhälfte. Hier befinden wir uns von der Häufigkeit her bereits im Grenzbereich einer stichhaltigen Aussagekraft von 25-jährigen Zeiträumen. Der Vergleich von zwei 30-jährigen Zeiträumen nach 2030 wird vielleicht etwas deutlichere Konturen zeigen.
Witterung
Generell trocken und kühl, im östlichen Mitteleuropa gelegentlich schwache Niederschläge, etwas mehr im Nordstau der Ostalpen möglich. Im Winter können die zugeführten Luftmassen in den unteren Luftschichten gelegentlich recht mild in Mitteleuropa eintreffen, wenn deren Ursprungsgebiet in den Subtropen vor den Ostküsten Amerikas liegt und unter nur geringer Abkühlung rasch nördlich um das Hoch herumgeführt wurden, ähnlich wie bei Nordwestlagen.
Zu allen Jahreszeiten: kälter als normal (mit den erwähnten Ausnahmen im Winterhalbjahr), Niederschlag unternormal.
Typische Beispiele
Winter (Klick ins Bild öffnet grössere Ansicht):
Der jahreszeitlich bedingt kräftige, aber stark mäandernde Jetstream zieht am Ostrand des Hochs über Westeuropa und mündet um das abgetropfte Tief über der Iberischen Halbinsel in den Subtropenjet. Ein zweiter, schwächerer Ast des Jetreams zieht über das Baltikum nach Russland. Das kräftige Hoch mit Kerndruck von 1046 hPa sorgt auch am Boden für starken Nordwind, insbesondere am Alpenostrand sowie Bisensturm am Genfersee. Im Nordstau der Alpen sowie der Mittelgebirge fällt etwas Schnee. Die Luftmasse ist kühl, aber für die Jahreszeit nicht aussergewöhnlich kalt, weil sie nicht arktischen Ursprungs ist, sondern vor allem über dem Atlantik gemilderte Polarluft enthält.
Sommer:
Mit einem Kerndruck von 1027 hPa ist der bodennahe Nordwind deutlich schwächer als im Winter. Unter dem Tief über Osteuropa mit Höhenkaltluft entstehen teils kräftige Gewitter, die auch das östliche Mitteleuropa betreffen. Die Windströmung und die hohe Labilität zwischen Höhenkaltluft und warmem Wasser begünstigt Funnelbildungen auf dem Bodensee, wo ebenfalls einzelne Schauer auftreten. Weiter westlich bleibt es mit Bise trocken und meist sonnig.
Markante Wettererscheinungen, Unwetterpotenzial
Die hohe Labilität unter der Höhenkaltluft im östlichen Mitteleuropa kann im Sommer für kräftige Gewitter mit der seltenen Zugrichtung Nord-Süd sorgen. Staubedingt kann es dabei im Nordstau der Ostalpen, aber auch am Erzgebirge zu lokalen Überflutungen kommen. Bei kräftigen britschen Hochs im Winter sorgt diese Wetterlage in der Westschweiz häufig für einen Bisensturm, vor allem am Genfersee und auf den Jurahöhen. Durch den Leitplankeneffekt treten starke Nordwinde auch am Alpenostrand auf. Auf der Alpensüdseite sind kräftige Nordföhnstösse möglich. Ansonsten ist das Wetter im Flachland eher ereignislos. Nordseestratus zieht oft weit in die norddeutsche Tiefebene hinein bis zur Mittelgebirgsschwelle, die Alpennordseite ist im Herbst und Winter mit zähem Hochnebel bedeckt.
Auswirkungen auf den Vogelzug
Trotz des günstigen Rückenwinds wird die GWL Hoch Britische Inseln auf dem Herbstzug gemieden oder kann nicht beobachtet werden, offenbar wegen der meist schlechten Sichtbedingungen (Hochnebel). Einzig in der zweiten Julihälfte kann man bei dieser Wetterlage Spitzenzugtage feststellen, und zwar vom Mauersegler. Zu dieser Jahreszeit bringen HB-Lagen oft den entscheidenden ersten Kaltlufteinbruch mit Schauern und Gewittern, welcher die Mauersegler zum Aufbruch bewegt. Noch weniger genutzt wird HB am Frühjahrszug aufgrund des starken Gegenwindes, Zugstau auch ohne Niederschlag ist dabei möglich.
Grundlagen:
Katalog der Großwetterlagen Europas (1881-2009) nach Paul Hess und Helmut Brezowsky
Statistik der Grosswetterlagen aufgeschlüsselt nach Monat und Gesamtjahr im Zeitraum 2001-2025
Statistik der Grosswetterlagen aufgeschlüsselt nach Monat und Gesamtjahr im Zeitraum 1976-2000
Wulf Gatter: Vogelzug und Vogelbestände in Mitteleuropa, erschienen im Aula-Verlag, 2000
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