Zum Charakter eines Frühlingsmonats gehört, dass er im Verlauf wärmer wird – normalerweise. In den letzten Jahren hat nicht selten der April genau das Gegenteil produziert, in diesem Jahr musste der März dran glauben. Das erste Monatsdrittel war das wärmste, das letzte Drittel das kälteste (hier das Beispiel Basel: 9.9 / 8.0 / 5.9 = 7.9 Grad Monatsmittel = + 0.9 Grad zur Norm 1991-2020). So ungewöhnlich das erscheinen mag, so selten ist das gar nicht. Gelegentlich kommt es sogar vor, dass ganze Frühlingsmonate kälter sind als der Vorgänger. Auf dem Säntis und wahrscheinlich auch an anderen Gipfelstationen der Alpen war das auch in diesem Jahr der Fall: Der Februar war dort oben 0.6 Grad wärmer als der März.

Kontrastprogramm zu exakt einem Monat zuvor (siehe Titelbild Analyse Februar): Winterrückfall in Muri bei Bern am 27.03.2026
Die fotometeo.ch/orniwetter.info-Monatsprognose, erstellt am 1. März, lautete wie folgt:
Der ausgewählte Lauf erinnert stark an den März 2012: Stetig wiederkehrende blockierende Hochs liegen irgendwo zwischen Nord- und Mitteleuropa oder über den Britischen Inseln. Feuchte atlantische Luftmassen haben nur selten eine Chance, auf den Kontinent zu gelangen: Eine Westlage wäre vermutlich eine winkelförmige, weil das Hoch im Osten zu stark dagegenhält. Bei zeitweiliger Verlagerung des Hochs nach Skandinavien oder nach Osteuropa sind auch Wetterlagen des Typs Ost bis Süd möglich.
Die allerjüngsten CFS-Läufe zeigen im südlichen Mitteleuropa grossräumige Abweichungen von drei bis zum Teil mehr als vier Grad zur Vergleichsperiode 1991-2020. Dies wäre im Bereich des Rekordmärzen 1994, der jedoch stark von Westlagen geprägt war. Persistente Hochdrucklagen hingegen sorgen für klare und frostige Nächte, was das Mittel etwas dämpft, daher sind Abweichungen von 2-3 Grad in den Niederungen realistischer. Ein rekordwarmer März wäre allenfalls im Gebirge oberhalb der Inversion in Reichweite, hier hat 2017 die Marke gesetzt. All diese Überlegungen haben zur Auswahl des vorliegenden CFS-Laufs geführt.
In West- und Mitteleuropa sieht es verbreitet nach einem sehr trockenen März aus, die Hälfte des üblichen Niederschlags dürfte meistenorts das obere Ende der Fahnenstange sein. Südöstlich der Alpen im Lee einer allfälligen Westlage, die frühestens in der zweiten Monatshälfte zu erwarten wäre, könnte der Monat sogar komplett trocken verlaufen. Die atlantischen Strömungen werden weit nach Norden abgelenkt und bringen der norwegischen Küste bzw. dem Skanden-Gebirge reichlich Niederschlag. Abgetropfte Tiefs hinterlassen im westlichen Mittelmeer und auf der Iberischen Halbinsel ihre Spuren, wenn auch nicht mehr so extrem wie mit den atmosphärischen Flüssen (südliche Westlage) im Januar und Februar.
Vergleich der Prognose (oben) mit der Analyse (unten) der Abweichungen des Bodendrucks gegenüber dem langjährigen Mittel:

Die grossräumige Zirkulation recht gut getroffen, im Detail jedoch entscheidend: Das prognostizierte Grönlandtief lag östlicher über dem Nordmeer und drückte den erwarteten Hochdruckschwerpunkt nach Südosten. Diese Verlagerung war für die aussergewöhnlich warme erste Monatshälfte mit den Grosswettertypen Süd, Südwest, West und Hoch verantwortlich. Die Nordlage (Trog Mitteleuropa) der letzten sieben Tage geht im Monatsmittel der Druckabweichung völlig unter. Dies ist auch das Problem bei der Prognose: Anhand von Mittelkarten lassen sich gegenseitig aufhebende Extreme nicht herauslesen. Entsprechend wurden wir vom Winterrückfall zum Monatsende etwas überrascht – wobei man damit in einem März immer rechnen muss: Auch der in der Prognose erwähnte März 2012 brachte in seinen letzten zwei Tagen eine Nordlage, allerdings eine weniger effektive.
Abweichung der Monatsmitteltemperatur 2 m über Boden zur Vergleichsperiode 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Monatlich grüsst das Murmeltier: Prognostiziert wurde eine maximale Abweichung von etwas über vier Grad für Teile Skandinaviens, geworden sind es sechs. Immerhin lag das Modell im Nordosten Grönlands richtig. Ansonsten gilt wie immer: Zur Prognose von Extremereignissen taugen Langfristmodelle nicht. Die Nordlage zum Märzende hat die Temperatur in Westeuropa noch ordentlich gedrückt, auch in den Niederungen der Alpennordseite der Schweiz resultierte am Schluss noch ein Plus von 0.6 Grad in Höhenlagen noch etwas weniger und an einzelnen Stationen (Säntis, Grosser St. Bernhard) sogar ein Minus zu 1991-2020. Insbesondere für den Alpenraum war die Prognose somit schlecht, ansonsten wurde die Verteilung recht gut getroffen.
Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Zufriedenstellend ist das Ergbnis für die Prognose der Niederschlagsverteilung, auch wenn sich der Trockenheitsschwerpunkt durch den nach Südosten verschobenen Hochdruck von Mittel- nach Osteuropa verlagert hat. Bemerkenswert sind die von der Prognose unterschätzten Niederschlagsmengen von mehr als dem Fünffachen der Norm im Osten Grönlands und in Teilen des Nahen Ostens. Solche Extremniederschläge sind inzwischen fast allmonatlich irgendwo zu finden und die Meldungen über verheerende Überflutungen in verschiedensten Regionen (diesmal: Süditalien, arabische Emirate) gehen in der aktuellen Nachrichtenlage weitgehend unter. Die Langfristmodelle wiederum sind mit der höheren Feuchteaufnahmekapazität der wärmeren Luftmassen offensichtlich überfordert. Auch die neue Europa-Karte kann die regionalen Details nur unzureichend auflösen, daher wird die Empfehlung für einen Blick auf die Karten der Landeswetterdienste aufrecht erhalten: Schweiz, Österreich, Deutschland.
Dass die Grosswettertypen die ihnen zugedachte Witterung übereinstimmend erfüllen, funktioniert am ehesten noch im Frühling, wie dieses Beispiel zeigt (die Farbgebung der beiden Diagramme wurde nämlich nicht zufällig so gewählt). Erfreulich ist auch, dass die prognostizierten Wetterlagen ungefähr so eingetroffen sind mit der bereits erwähnten Ausnahme der Nordlage zum Monatsende. Auch dies sollte kein Zufall sein – wenn die Modelle wie typisch für die Frühlingsmonate wild herumhopsen, muss man sich auf Statistik verlassen, und da haben wir jetzt nach zwei Wintern Fleissarbeit endlich eine solide Grundlage:
Gezeigt wird, wie sich die Häufigkeit der einzelnen Grosswetterlagen seit dem Milleniumswechsel gegenüber der Vorperiode 1976-2000 verändert hat. Tippt man bei unsicherer Modelllage auf jene GWL, die zuletzt stark zugenommen haben, erhöht dies die Trefferwahrscheinlichkeit. Dies wird im aktuellen Fall verdeutlicht durch die schwarz hervorgehobenen Zahlen jener Wetterlagen, die tatsächlich im März 2026 aufgetreten sind. Diese Statistik wird ab sofort fixer Bestandteil der Monatsanalyse sein.
Die Prognose für den April findet man auf unserer Partnerseite orniwetter.info. Sie wird je nach Datenverfügbarkeit ungefähr am 10. des Folgemonats verifiziert (die europäischen Portale brauchen leider für die Veröffentlichung deutlich länger als die NOAA, deren Analyse-Tool seit Mitte März nicht mehr aktualisiert wird).
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