So einfach ist der erste Monat des Jahres 2026 gar nicht zu charakterisieren. Zwar resultierte in der Fläche auch im Alpenraum ein kleines Minus der Mitteltemperatur zur Norm 1991-2020, doch lokal reichte es nicht: In den Föhngebieten, am ausgeprägtesten aufgrund der häufig südöstlichen Anströmung im gesamten Rhonetal, war der Januar wärmer als normal (Sion +0.7°). Andersrum feierte man im deutschen Gebietsmittel einen Januar alter Schule, sprich: knapp unter der Norm 1961-90. Wobei da auch nur der Osten so richtig dazu beitrug. Auch in West- und Süddeutschland gab es einzelne Stationen mit einem knappen Plus oder einer Punktlandung zu 1991-2020, allen voran an der Klimareferenzstation auf dem Hohenpeissenberg. Doch auch bei anderen Parametern gab es Widersprüchlichkeiten und Kuriositäten.

Weshalb das aussergewöhnlich starke Polarlicht nicht von allen beobachtet werden konnte, zeigt sich hier eindrücklich im Rheintal: Trotz viel Tiefdruckeinfluss war Nebel in diesem Monat fast omnipräsent. Quelle: foto-webcam.eu
Die fotometeo.ch/orniwetter.info-Monatsprognose, erstellt am 1. Januar, lautete wie folgt:
Wer A sagt, muss auch B sagen: Wenn ich davon ausgehe, dass die Zonalisierung irgendwann im mittleren Monatsdrittel einsetzt, dann können weder die zahlreich vorhandenen Kaltläufe noch die neuesten Warmläufe des CFS-Modells stimmen. Es muss also ein Mittelding geben, das zwei völlig unterschiedliche Monatshälften in einer Karte vereint. In diesem Fall wird von einer negativen Druckanomalie ausgegangen, die sich von Neufundland über den gesamten Nordatlantik bis ins nördliche Mitteleuropa erstreckt. Gegenspieler sind Hochdruckgebiete um Grönland, in Osteuropa und rund um Gibraltar. Diese Verteilung spricht nach einer relativ sicheren Blockadesituation auf dem Atlantik bis mindestens am 9. Januar mit Grosswettertyp überwiegend Nord bis Nordwest für eine recht turbulente zweite Monatshälfte mit vorwiegend West- bis Südwestlagen, die sich auch in der Temperaturverteilung zeigt.
Bei einem nach den aktuellen Mittelfristmodellen aufgelaufenen Minus von ungefähr -3 Grad zur Norm 1991-2020 bis zur Monatsmitte wird es spannend, ob die zweite Monatshälfte dies wettzumachen vermag. Der ausgewählte Lauf geht davon aus, dass dies im westlichen Mitteleuropa knapp gelingt, im Osten eher nicht. Da wir für dieses Szenario von einer sehr milden zweiten Monatshälfte ausgehen müssen, sei mal wieder auf unser Kleingedrucktes weiter unten hingewiesen, das so klein gar nicht ist und bewusst farbig hervorgehoben. Das Wagnis einer solchen Prognose liegt darin begründet, dass es letztmals 2017 einem Januar gelang, bis zum Ende das Minus zu konservieren und der Trend weiterhin klar aufwärts zeigt (das gleitende Mittel 1996-2025 ist in den Niederungen der Deutschschweiz bereits wieder 0.13 Grad wärmer als 1991-2020).
Abgesehen von den ersten drei Tagen ist in der Mittelfrist nicht viel Niederschlag in Mitteleuropa zu sehen, erst ab dem 9. oder 10. sind wieder ernst zu nehmende Signale vorhanden. Trotzdem sehen wir eine verbreitet ausgeglichene Niederschlagssumme im Vergleich zum langjährigen Mittel, die zweite Monatshälfte wird nördlich der Alpen also eher nass (dringend nötig wäre es ja…). Bei Anströmung zuerst aus überwiegend nördlicher, dann westlicher Richtung bleibt aber die Alpensüdseite weitgehend trocken – was eher dagegen spricht, dass die Strömung noch weiter bis in den Südsektor dreht. Die überdurchschnittlichen Niederschläge an den Westküsten Südeuropas deuten darauf hin, dass in einer Übergangsphase auch mit südlichen Westlagen zu rechnen ist, die im Regime oben von den grünen Balken abgebildet werden.
Vergleich der Prognose (oben) mit der Analyse (unten) der Abweichungen des Bodendrucks gegenüber dem langjährigen Mittel:

Grundsätzlich wurde sie gar nicht so schlecht getroffen, diese ausgeprägte High-over-Low-Situation. Allerdings mit einem für Mitteleuropa gewichtigen Detailunterschied: Das Tief rückte uns wesentlich näher auf die Pelle als erwartet, blieb aber trotzdem im Westen stecken. Die erwartete West- bis Südwestströmung blieb bis auf wenige Tage aussen vor, und anders als erwartet überdrehte die Strömung nicht nur auf Süd, sondern für fast die ganze zweite Monatshälfte gar auf Südost. Resultat war eine markante, nahezu stationär über Deutschland und Österreich verlaufende Luftmassengrenze, mal mehr, mal weniger aktiv.
Abweichung der Luftmassen-Monatsmitteltemperatur in rund 1500 m Höhe zur Vergleichsperiode 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

In der Luftmassenanlyse in rund 1500 m Höhe kommt dieser scharfe Temperaturgradient über Mitteleuropa gar nicht mal so richtig zur Geltung, weil es sich dabei einzig um eine bodennahe Geschichte handelt. Dies zeigen auch die Temperaturabweichungen in Deutschland: Die Mittelgebirgsstationen im Osten und in der Mitte stechen als relativ mild heraus. Insgesamt zeigt sich an der Verteilung der kalten Luftmasse, dass diese eben nicht mehr für einen Strengwinter in weiten Teilen Europas ausreicht – es bleibt aufgrund fehlenden Nachschubs aus der Arktis ein regionales Phänomen (Grönland, Kanadischer Archipel und Spitzbergen 10 bis teils über 20 (!) Grad über der Norm 1991-2020).
Abweichung des Monatsniederschlags gegenüber der Klimanorm 1991-2020 (oben Prognose, unten Analyse):

Bei der Niederschlagsverteilung blieben die Überraschungen aus, vor allem die Hotspots wurden gut erkannt. Mangels durchgreifender Westströmung blieb es in Mitteleuropa verbreitet deutlich zu trocken, es gibt aber auch Ausnahmen, die in dieser groben Karte nicht zu sehen sind. Für diese Details empfiehlt sich ein Blick in die Karten der Landeswetterdienste: Schweiz, Österreich, Deutschland, Frankreich. Hervorzuheben sind insbesondere die hohen Abweichungen entlang der Luftmassengrenze etwa in der südlichen Mitte Deutschlands mit fast der doppelten Menge zur Norm in Unterfranken und einer maximalen Schneehöhe um 35 cm am 27. Januar u.a. in Nürnberg.
Für die Grafik der Witterungstypen müsste man eigentlich für jeden Naturraum eine eigene Auswertung erstellen, so komplex war die Verteilung von Temperatur und Niederschlag aufgrund der scharfen Luftmassengrenze in Mitteleuropa. Hier wird auf den Südwesten konzentriert, also hauptsächlich Schweiz, Baden-Württemberg und Westösterreich. Die meisten normal temperierten Tage lagen im Flächenmittel leicht unter dem Schnitt, lokal gab es aber auch Ausreisser nach oben, die in dieser Grafik nicht abgebildet werden. Würde man die Föhngebiete stärker gewichten, könnte man auch vier bis acht „rote“ Tage einbauen, denn die neun Tage Ostlage waren alle Südost mit mehr oder weniger starkem Föhneinfluss, dazu kommen die drei Tage Trog Westeuropa im GWT Süd. Von den elf Tagen Westlage waren die meisten extrem schwachbrüstig, nur drei davon West zyklonal, wobei sich am ersten Tag (07.01.) die milde Luft bodennah noch nicht durchsetzen konnte und am zweiten verbreitet gefrierenden Regen brachte, ebenso die drei Tage Winkelwest. Richtige Kälte bis ins westliche Südeuropa brachte nur der Trog Mitteleuropa (GWT Nord) vom 4. bis 6. Januar, in Wien hingegen haben insgesamt zehn Tage das Kriterium „zu kalt“ erfüllt. Monate wie dieser zeigen exemplarisch, wie unsinnig Mittelwerte über ganze Länder sind, weil entweder flächenmässig zu gross oder naturräumlich zu stark fragmentiert oder im Falle Deutschlands gar beides zusammen. Möchte man alle Geschichten und Besonderheiten erwähnen, würde dies den Rahmen dieses Blogs bei weitem sprengen.
Die Prognose für den Februar findet man auf unserer Partnerseite orniwetter.info, sie wird zu Beginn des nächsten Monats in diesem Blog verifiziert.
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Microwave am 10. Februar 2026 um 01:00 Uhr
Hoi Fabienne,
Mal wieder danke für dein Dienst.
Ab der Niederschlagsabweichung in den Alpen frage ich mich langsam ob überhaupt halbe sinnvoll Schnee liegt zum Skifahren Ende Februar lol
Grüsse
Microwave