Nach den letzten drei Jahren, die in Europa die wärmsten seit Messbeginn waren, musste man für 2025 auch aufgrund der sehr warmen Meere rundherum das Schlimmste befürchten, besteht doch die Gefahr, dass sich die Systeme stetig weiter aufschaukeln. Manchmal spielen aber in dem komplexen Räderwerk unerwartet Dinge rein, deren Ursache nicht offensichtlich ist. Denen auf den Grund zu gehen, ist Sache der Klimaforschung, hier sollen einfach ein paar nüchterne Fakten zum vergangenen Jahr visualisiert werden.

Die Temperaturabweichungskarte der Luftmasse in rund 1500 m Höhe auf das Gesamtjahr gemittelt hatte auch schon mehr Rottöne.
Kleinzureden braucht man trotzdem nichts: Flächige Abweichungen von 1 bis 2 Grad über der neuen Klimanorm 1991-2020 mit nur kleinen Gebieten im Normalbereich und diese genau dort, wo so gut wie keine Menschen leben: Das ist noch lange kein Grund zur Entwarnung. 2025 zeigt vielmehr bereits die neue Realität der folgenden Normperiode. Um das gleitende Klimamittel stetig hochzutreiben, braucht es keine neuen Rekorde. Es ist mehr als ausreichend, wenn die aktuellen Jahre wärmer sind als jene vor 30 Jahren, und das sind sie deutlich: In den Niederungen der Alpennordseite der Schweiz (Schnitt aus fünf repräsentativen Stationen mit homogenisierter Messreihe) lag die Mitteltemperatur 2025 bei 10.7 Grad. Dieser Wert wurde vor 2018 in über 150 Jahren nie erreicht, 1995 hatte ein Mittel von 9.2 Grad und lag damit ziemlich genau in der damaligen Norm. Immerhin war 2025 um 0.6 Grad weniger warm als die Rekordjahre 2022 und 2023 – manche empfanden dies deswegen zumindest phasenweise schon fast als kühl. Tatsächlich hatten wir 2025 ungewöhnlich viele Wetterlagen mit Zufuhr von Luftmassen aus Nord bis Ost:
Und trotzdem ist der Anteil an signifikant kühlen Tagen deutlich kleiner als jener der signifikant warmen Tage (Verhältnis 4 zu 10) zur aktuellen Klimanorm. Der Grund liegt darin, dass auch arktische und polare Luftmassen nicht mehr den gleichen Biss haben wie noch im letzten Jahrhundert – kein Wunder, wenn man sich die Temperaturabweichung in der Karte oben z.B. von Grönland anschaut. Hinzu kommt, dass viele der Nord- bis Ostlagen 2025 in Mitteleuropa antizyklonaler Natur waren, also mit Hochdruckeinfluss verbunden. Die überdurchschnittliche Sonnenscheindauer erwärmte die Luftmassen aus kälteren Regionen daher recht rasch auf Normalwerte: Trocken-kalte Tage werden somit immer mehr zu einer Besonderheit.
Apropos Trockenheit: Die vielen Hochdrucklagen sorgten selbstverständlich verbreitet für ein massives Niederschlagsdefizit. Wo ein solches ausblieb, waren meist wenige Starkregenereignisse dafür verantwortlich, was der Wasserversorgung für Mensch und Natur auch nicht wirklich zuträglich, sondern insbesondere in Südeuropa oft mit Überflutungen verbunden ist. Das wird auch im Widerspruch deutlich, dass etliche Regionen, die wegen verheerender Waldbrände in den Schlagzeilen waren, einen Niederschlagsüberschuss vermelden:
Die Abweichung des Geopotenzials in der Höhe von rund 5500 m zeigt, wie zerschossen die nordhemisphärische Zirkulation im atlantisch-europäischen Raum war. Sowohl zu Beginn des Jahres und dann permanent ab September war die nordatlantische Oszillation negativ (NAO-):
Die starke positive Abweichung über Nordeuropa erklärt die überdurchschnittlich vielen Nord- und Ostlagen, jene in Südosteuropa den hohen Anteil an Südwestlagen. Wenn das niedrige Geopotenzial so weit draussen auf dem Atlantik gefangen bleibt, ist ein geringerer Anteil an West- und Nordwestlagen nur logisch. Atlantische Tiefdruckgebiete werden vor Europa ins westliche Mittelmeer abgedrängt, die Folge davon sind Südostlagen, die dem GWT Ost zugeordnet sind.
Nicht die Abweichung von der Norm, sondern den gemittelten realen Bodendruck zeigt die nächste Karte:
Hier sehen wir eine ziemlich weit nördlich verlaufende Frontalzone mit eher südwestlicher Anströmung, relativ hohen Luftdruck über Mitteleuropa und die Auswirkung der abgetropften Tiefs im Mittelmeer. Grönland in diesem speziellen Fall bitte ignorieren: Den an einzelnen Stationen auf der riesigen Eisfläche in 3000 m Höhe gemessenen Luftdruck auf Meereshöhe zu reduzieren, kommt meistens nicht gut.
Viele Hochdrucklagen bedeuten auch, dass wegen Inversionen die Hochlagen häufig vom Geschehen am Boden völllig abgekoppelt sind. Die im Vergleich zu den Vorjahren in den Niederungen eher moderate Wärme haben wir eingangs bereits angesprochen (2025 auf Rang 5, extrem knapp vor 2014):

In den Hochlagen sieht das anders aus, hier ist 2025 nur wenig kühler als die Rekordjahre davor auf Rang 3 und mit deutlichem Vorsprung zu den weiteren Rängen zu finden:

Entsprechend zeigt der Trend in den Hochlagen auch steiler nach oben als in den Niederungen – ein Umstand, der auch von offizieller Seite und von namhaften Klimaforschern bestätigt wird. Es wird also spannend, wie 2026 in den unterschiedlichen Naturräumen abschneiden wird. Nach dem Kaltstart dürfte es mit einem neuen Rekord erneut schwierig werden, aber wir wissen ja inzwischen, dass Unvorstellbares nicht unmöglich ist.
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